Eine Gruppe von sehr namhaften Bürgern dieses Landes - darunter Hans Hollein, Friedrich Cerha, Arik Brauer, Gustav Peichl, Karl von Schwarzenberg, Rudolf Buchbinder, Markus Prachensky, Arnulf Rainer, Georg Springer, Christian Ludwig Attersee, Christian Meyer, Gerbert Frodl, Gabriele Wimmer, Otto Schenk, Gerhard Roth und John Sailer - rufen zur Schaffung einer "Österreichischen Kunststiftung" auf, welche die Klimt-Bilder Adele Bloch-Bauer I und II erwerben und der Österreichischen Galerie zur Verfügung stellen soll. Diese Künstler und Kunstmanager stellen sozusagen ihren guten Ruf zur Verfügung, wohl um einerseits genügend potente Sponsoren anziehen zu können und andererseits den Erben von Adele I und II Ansprechpartner zu bieten, mit denen diese unbelasteter verhandeln können.

Ideengeber und treibende Kraft ist der bekannte Kunstexperte John Sailer, der diese Kunststiftung auch verwenden will, um zeitgenössische österreichische Kunst zu sammeln. Ein weiterer Versuch, zumindest eine der beiden Adeles in Österreich zu halten. Gleichzeitig ist für die Republik auch längst nicht alles ausgestanden.

Von Erben beansprucht werden zwei weitere Bilder, ein Edvard Munch von den Erben Alma Mahler-Werfels und Klimts "Zuckerkandl"-Porträt. Im letzten Fall dürfte es sich ebenfalls um einen Fall von "abgepresst" handeln. Den Besitzern wurde gestattet, andere Kunstwerke auszuführen und auf dem internationalen Kunstmarkt zu verkaufen, wenn sie nur ein wichtiges Werk dem Staat für seine Museen überließen.

Der Historiker Robert Holzbauer, derzeit Leiter der Provenienz-, also der Herkunftsforschung in der Sammlung Leopold, hat im Mai 2005 in der Zeitschrift Academia einen Artikel veröffentlicht, in dem er die "erzwungenen Schenkungen" an österreichische Museen durch Opfer des Nationalsozialismus in der Nachkriegszeit zwar als Tatsache beschreibt, aber die Meinung vertritt, dies sei keineswegs eine so durchgehende und brutale Praxis gewesen, wie es nach der Aufarbeitung etlicher Fälle aussieht. Auch die Literatin Daniela Strigl hat jetzt in einem umfangreichen Gastkommentar im STANDARD (25./ 26. Februar) die "revisionistische" These vertreten, die Empörung über das (seinerzeitige) Verhalten der Republik im Fall Bloch-Bauer sei überflüssig, weil es sich hier gar nicht um einen solchen Abtausch "Nazi-Opfer schenkt der Republik Österreich Filetstücke seiner Sammlung, damit es andere Kunstwerke ausführen und verkaufen darf" gehandelt habe. Allerdings ging die österreichische Schiedsgerichtskommission, die die Rückgabe von "Adele und Co" empfahl, von genau einem solchen Vorgang aus.

So arg war es also gar nicht? Möglich, aber das muss man dann genauer untersuchen. Das fast 1500 Seiten dicke Werk von Sophie Lillie ("Was einmal war. Handbuch der enteigneten Kunstsammlungen Wiens", 2003, Czernin-Verlag) wimmelt vor Anmerkungen zu Bildern von Egger-Lienz, Klimt, Schiele usw., die alle die gleiche Abfolge haben: Jüdische Sammlung, arisiert, restituiert, gleichzeitig Ausfuhrsperre, Österreichisches Museum.

Österreich steht mit derlei nicht allein da. Soeben müssen die Niederlande ihre Museen ausräumen und über 200 Alte Meister an die Erben des Kunsthändlers Goudstikker zurückgeben. Auch war nicht alles an Österreichs Verhalten in dieser Causa unentschuldbar. Aber was was ist, das wird man noch herausfinden müssen. (DER STANDARD, Printausgabe, 28.2.2006)