"Data Mining" heißt der Fachbegriff für die Forschung nach aussagekräftigen Mustern in großen Datenbeständen. Im zehnbändigen Duden ist der Begriff mangels allgemeiner Verbreitung noch nicht aufgeführt. Doch auf der jetzt erschienenen CD-ROM des Standardwerks lässt sich ganz vortrefflich nach Schätzen der deutschen Sprache schürfen. Mit ihren ausgefeilten Suchmöglichkeiten übertrifft die elektronische Ausgabe zum "Großen Wörterbuch der deutschen Sprache" den Nutzen des gedruckten Nachschlagewerks bei weitem. Da gibt es etwa eine spezielle Feldsuche, in der gezielt nach den Belegstellen gefahndet werden kann, die zu den mehr als 200.000 Stichwortartikeln aufgeführt werden. Hier wird Thomas Mann als Gewährsmann für 1.364 Begriffe genannt, darunter so schöne Verben wie "fortspinnen", "hindurchschimmern" oder "obwalten". Aber auch bei der "Konsulin" oder für das "Seelchen" zieht die Mannheimer Duden-Redaktion den Romanautor heran und liefert für literarisch weniger phantasievolle Menschen die sachliche Erklärung dazu: "psychisch wenig belastbarer, sehr empfindsamer Mensch". Mit der Belegkraft von Thomas Mann kann selbst Goethe nicht ganz mithalten; von dessen 1.000 Beispielen im umfassendsten Referenzwerk zur deutschen Sprache werden etwa zehn Prozent als "veraltet" eingestuft: darunter die "Afterrede" (üble Nachrede) oder das Verb "sich erlustigen". Dahinter folgt auch schon gleich Günter Grass, der zu 708 Stichwörtern in Erscheinung tritt. Nobelpreis-Kollege Heinrich Böll hat sich in 415 Belegen des Wörterbuchs verewigt, darunter recht bezeichnend die "Gewissenserforschung". Von den anderen Ländern deutscher Sprache wird häufig auf den Schweizer Max Frisch zurückgegriffen, 765 Mal. Aus Österreich wird am häufigsten Robert Musil zitiert, wobei die 575 Belege zumeist aus dem "Mann ohne Eigenschaften" stammen. Das Sprachgenie Karl Kraus ist dem Wörterbuch hingegen nur zwölf Verweise wert. Besonders intensiv studiert die Duden-Redaktion die Printmedien auf sprachliche Gepflogenheiten. Fündig wurde sie zum Beispiel 1.194 Mal in der "Neuen Zürcher Zeitung" (NZZ), 1.177 Mal in der "Saarbrücker Zeitung", 961 Mal in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und 244 Mal in der "Süddeutschen Zeitung". Die ergiebigste Quelle aber scheint "Der Spiegel" zu sein, der bei 1.717 Einträgen zitiert wird - dazu gehört oft Politslang wie "scheißliberal", "Gesinnungsschnüffelei" oder "Hurrapatriotismus". Der "Focus" hat es noch nicht auf ganz so viele Jahrgänge gebracht wie die Hamburger Konkurrenz und wird daher erst 182 Mal herangezogen. Nicht weniger aussagekräftig ist das Suchfeld zur Etymologie, also zur sprachlichen Wurzel von Begriffen. Hier lässt sich etwa ermitteln, dass 14 Prozent der "Spiegel"-Beispiele aus dem Englischen abgeleitet sind - verglichen mit 3,6 Prozent bei den NZZ-Begriffen. Wird die Gesamtheit aller Begriffe des "Großen Wörterbuchs" zu Grunde gelegt, so hat das Englische aber gar nicht so großen Stellenwert. Weiters können einzelne Stellen mit unterschiedlichen Farbstiften markiert oder persönliche Einträge in Benutzerwörterbüchen festgehalten werden. Bei der Software des großen Duden handelt es sich um die PC-Bibliothek des Duden-Verlags, in der auch elektronische Ausgaben des Brockhaus-Lexikons oder einer Vielzahl von fremdsprachigen Wörterbüchern erschienen sind. "Das große Wörterbuch der deutschen Sprache" ist das bisher ehrgeizigste Werk der Reihe, die sowohl am Windows-PC (Windows 95/98/2000, ab 16 MB Arbeitsspeicher) als auch am Macintosh-Rechner (ab MacOS 7.51 und 16 MB RAM) Verwendung finden kann. Im Unterschied zu anderen Titeln der PC-Bibliothek wendet sich der große Duden vorrangig an professionelle Nutzer, was sich im Preis niederschlägt: Der Einführungspreis bis Ende Juli beträgt 890 Mark (455 Euro/6.262 S), danach sind es 990 Mark (506 Euro/6.965 S). (AP)