In der südmexikanischen Stadt Juchitán ist alles anders. Hier haben Frauen das Sagen, hier existiert eine einzigartige, mütter- und frauenzentrierte Gesellschaft. Ausgerechnet in einem für seinen extremen Machismo verschrieenen Land haben alte matriarchalische Strukturen überlebt. Zentrum der Stadt ist der Marktplatz. Dort drängen sich täglich Hunderte von Frauen die kaufen und verkaufen. Handeln ist reine Frauensache. Auch hier gelten die Gesetze des freien Marktes, aber nach streng sozialen Prinzipien: Angesehen ist nicht wer viel hat, sondern wer viel gibt. Diese Kultur der Gegenseitigkeit prägt das Leben der Juchitecás. Die Ökonomie gestaltet sich wie ein großer Haushalt, dem die Männer zuarbeiten. Auf diese Weise ist es den Frauen gelungen, ein üppiges und lustvolles Leben aufrechtzuerhalten. Nur an wenigen Orten Mexikos liegt die Kindersterblichkeitsrate so niedrig und die Lebenserwartung so hoch wie in Juchitán. Die Zapotekinnen sind im ganzen Land berühmt und berüchtigt für ihr Selbstbewusstsein, ihren Eigensinn und ihre enorme Tatkraft. Sie stehen in ihrer üppigen Leibesfülle, gekleidet wie bunte Paradiesvögel in Gruppen auf den Straßen Juchitáns herum, schwatzen und lachen und pfeifen den jungen Männern hinterher, die ihnen gefallen. In diesem Buch kommen sie zu Wort: Die Händlerinnen und Marktfrauen, die Mütter und Töchter, Ehefrauen und Geliebten. Stolz erzählen sie über ihre Männer, ihre Familien, ihr Leben und über ihre Religiosität, die nicht dogmatisch, sondern sinnlich und lebensnah ist. Denn die Juchitecas lieben es zu feiern, zu tanzen und zu lachen. Ausdrucksstarke und farbenprächtige Fotos illustrieren die Lebensfreude dieser Frauen. Veronika Bennholdt-Thomsen, Mechthild Münser, Cornelia Suhan (Fotografie) Frauen Wirtschaft Juchitán - Mexikos Stadt der Frauen öS 437,- (EURO 31,75)/144 Seiten

Frederking & Thaler Verlag, München 2000 Astrid Kasparek