Foto: STANDARD/Christian Fischer

Das Palais von Ferdinand Bloch-Bauer in der Elisabethstraße ging 1943 in den Besitz der Deutschen Reichsbahn über. Nach dem Ende des NS-Regimes wurde die ÖBB Eigentümer des Palais. Nun soll die Immobilie restituiert werden.

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Dies entschied die Schiedsinstanz für Naturalrestitution, auf die noch viele weitere Restitutionsfälle warten.

Wien – Die ÖBB hat eine ihrer Liegenschaften, das ehemalige Palais von Ferdinand Bloch-Bauer in der Elisabethstraße 18, an dessen Erben zurückzugeben. So lautet die Empfehlung der Schiedsinstanz für Naturalrestitution des Entschädigungsfonds, der die Republik Folge leisten wird. Die Schiedsinstanz hat allerdings nur die Rückstellung des Viertelanteils der Bloch-Bauer-Erbin Maria Altmann an der Liegenschaft empfohlen. Von den anderen Erben des Palais liegen derzeit keine Anträge vor.

Bloch-Bauer, 1938 vor den Nationalsozialisten geflohen, hatte vom Zürcher Exil aus versucht, die Liegenschaft an die Deutsche Reichsbahn zu verkaufen. Geld bekam er aber keines: Sie war durch "die Judenvermögensabgabe weit überbelastet", stellte "also keinen Vermögenswert dar", so die Gestapo 1943, als das Palais in Besitz der Reichsbahn überging. Nach dem Ende des NS-Regimes wurde die ÖBB Eigentümer des Palais.

Die Entscheidung bedeutet einen weiteren Erfolg für die Bloch-Bauer-Erben, an die kürzlich fünf Klimt-Gemälde restituiert wurden, und deren Anwalt Randol E. Schoenberg: Experten schätzen den Wert der Immobilie auf vier bis fünf Millionen Euro.

Die Schiedsinstanz (siehe Wissen) empfahl in den vergangenen Jahren unter anderem die Rückgabe eines Palais in der Weihburggasse (heute AMS), des Flugfeldes Aspern und des ehemaligen Sanatoriums Fürth in der Schmidgasse (heute eine Expositur der US-Botschaft). In mehreren anderen Fällen – die Ex-Amtsvilla des Bundespräsidenten auf der Hohen Warte und Liegenschaften innerhalb des Truppenübungsplatzes Allensteig – sprach sich die Schiedsinstanz gegen eine Restitution aus.

Grundlegende Vorarbeit leistete das Forschungsbüro von Harald Wendelin, Verena Pawlowsky und Edith Leisch- Prost: Es identifizierte rund 700 Immobilien des Bundes, die eine Entzugsgeschichte in der NS-Zeit aufweisen, und rund 500 der Stadt Wien. Auf Basis dieser Daten filterte die Israelitische Kultusgemeinde 50 Fälle heraus, die Anträge auf Naturalrestitution rechtfertigen. Insgesamt hat die Schiedsinstanz rund 90 Fälle zu entscheiden.

Ein nicht uninteressanter Fall betrifft die Villa Emma Schiff von Suvero der Familie Reitzes von Marienwert in der Sieveringer Straße 245: Sie wurde 1942 von der Reichspost "arisiert"; zuletzt war sie die Fernmeldeschule der Post.

Wie die Schiedsinstanz von Fall zu Fall entscheidet, ist schwer absehbar, weil die Entscheidungen, so Wendelin, ausschließlich auf der Bewertung der Frage, ob ein Restitutionsverfahren "extrem ungerecht" durchgeführt wurde, basiert: "Bisher ist es der Schiedsinstanz auch nicht gelungen, eine Systematik in der Herangehensweise herzustellen. Problematisch ist – wie beim Kunstrückgabegesetz – die Tatsache, dass Entscheidungen hinzunehmen sind, wie sie getroffen werden." (DER STANDARD, Printausgabe, 23.03.2006)