Wien - SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer hat den ÖGB-Beschluss zum Verkauf der BAWAG als "vollkommen richtige Entscheidung" begrüßt. Der "ÖGB setzt damit das richtige und wichtige Signal einer modernen, reformorientierten Arbeitnehmervertretung", so Gusenbauer. Für ÖAAB-Generalsekretär Werner Amon dagegen ist der ÖGB-Beschluss ein deutlicher Beweis für die Verbindung von SPÖ und Gewerkschaft. "Wenn der SPÖ-Chef pfeift, springt der ÖGB", so Amon ebenfalls in einer Aussendung.

"Missverständlich"

Der SPÖ-Vorsitzende betonte, dass hier für ÖGB und BAWAG die richtige Entscheidung getroffen worden sei. Die Optik, die in den letzten Tagen entstanden sei, habe die Menschen verwirrt. "Es ist missverständlich, wenn die Gewerkschaft - völlig zu Recht - gegen den Ankauf von Eurofightern auftritt, aber gleichzeitig ihre Bank, die auch die Hausbank der Regierung ist, den Ankauf der Eurofighter vorfinanziert, bekräftigte Gusenbauer. "Die Gewerkschaft zeigt Handlungsbereitschaft und setzt eine klare Trennlinie, was von anderen nicht gesagt werden kann", so Gusenbauer. Der Schritt sei aber auch für die Beschäftigten und die Kunden der BAWAG ein sehr wichtiger. Indem die Bank nun aus der Tagespolitik genommen werde, könne wieder die notwendige Ruhe erkehren.

Gewerkschaft geschwächt

Amon meinte, die jüngsten BAWAG-Vorgänge zeigten auch deutlich, dass die Gewerkschaft unter der SPÖ-Führung geschwächt wurde und nur mehr als Befehlsempfänger und verlängerter Arm der SPÖ-Parteizentrale in der Löwelstraße agiere. "Ich bin keinesfalls gegen den Verkauf der BAWAG. Der ÖGB soll sich auch aus allen Beteiligungen, die er innehat, zurückziehen, um sich stärker seiner Kernaufgabe, nämlich der Vertretung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, glaubwürdig widmen zu können".

Auffällig

Auffällig sei, dass GPA-Chef Katzian bei seiner gestrigen Jungfernrede im Parlament "lauthals gegen Teilzeitjobs gewettert hat, als Eigentümervertreter der GPA bei zahlreichen Beteiligungen an Handelsunternehmungen jedoch jede Menge solcher Teilzeitjobs anbietet. Das ist ein weiteres Beispiel für die Doppelbödigkeit der SP-Gewerkschafter", so Amon. "Es täte der Gewerkschaft gut, etwa im Zusammenhang mit Teilzeitjobs eine durchaus differenziertere Betrachtungsweise an den Tag zu legen, denn Teilzeitjobs sind immerhin ein wichtiges Instrument, insbesondere für Frauen, wieder in das Berufsleben einzusteigen", betonte der ÖAAB-Generalsekretär.

Amon forderte aber auch einmal mehr AK-Präsident Herbert Tumpel auf, "sich endlich seiner Verantwortung als ehemaliger Aufsichtsratschef der BAWAG zu stellen und die Konsequenzen zu ziehen". "Scheinbar waren die Verluste der BAWAG unter der Vorsitzführung Tumpels größer, als er bisher zugegeben hat, und daher kann er nicht länger so tun, als hätte er mit dem ganzen SPÖ-ÖGB-BAWAG-Skandal nichts zu tun. Er soll endlich den Hut nehmen". (APA)