Berlin/Kinshasa - Der geplante Einsatz der deutschen Bundeswehr zur Sicherung der ersten freien Wahlen seit 45 Jahren im Kongo wird teurer als erwartet. In der Vorwoche hatte Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) noch von 20 Millionen Euro gesprochen. Nun geht man im Berliner Verteidigungsministerium jedoch von 64 Millionen Euro aus, berichtet die Financial Times Deutschland. Allein für den Flugtransport werden 15 Millionen Euro veranschlagt.

"Wir rechnen noch", heißt es im Verteidigungsministerium - schließlich wird es für die Mission der Deutschen - sie stellen 500 Soldaten der 1500 Mann starken EU-Truppe - keinen Zuschuss des Finanzministeriums geben. Jung muss den Einsatz, den die Deutschen von Potsdam aus leiten werden, aus dem Wehretat bestreiten.

Offiziell grünes Licht gibt die deutsche Regierung erst Anfang Mai. Danach muss noch der Bundestag zustimmen. Nachdem Kanzlerin Angela Merkel, Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Jung in den vergangenen Wochen verstärkt für die Kongo-Mission geworben haben, geht die Regierung nun von einer breiten Zustimmung der Koalition aus. Doch vor allem in den Reihen der SPD gibt es noch einige Skeptiker.

"Die Informationen der Kanzlerin waren nicht sehr hilfreich. Es ist überhaupt noch nicht klar, dass wir nach vier Monaten wieder rausgehen können", sagt Johannes Kahrs vom konservativen SPD-Flügel zum STANDARD. Der Verteidigungsminister hingegen erklärt, die Soldaten werden das Land auch dann verlassen, wenn kurz vor Ablauf des Mandats ein Konflikt in Kinshasa aufbreche. Jung: "Wir machen keine Befriedung im Kongo."

Die größte kongolesische Oppositionspartei gab indes am Dienstag bekannt, die für den Sommer geplanten ersten freien Wahlen "friedlich" boykottieren zu wollen. Die Bedingungen für eine transparente Wahl seien nicht erfüllt, sagte ein Sprecher der UDPS (Union für Demokratie und gesellschaftlichen Fortschritt).

Oppositionsführer Etienne Tshisekedi werde nicht als Präsidentschaftskandidat antreten. Mittlerweile gibt es mehr als 70 Kandidaten für das Präsidentenamt. Politische Beobachter räumen dem Präsidenten Joseph Kabila (34) gute Chancen ein. (bau, dpa/DER STANDARD, Printausgabe, 5.4.2006)