Caracas - Der venezolanische Präsident Hugo Chavez hat sich für einen verstärkten Dialog zwischen Staat und Kirche in seinem Land ausgesprochen. Bei einem Empfang für den neuen venezolanischen Kardinal Jorge Liberato Urosa Savino betonte Chavez am Montag, bessere Beziehungen zwischen Staat und Kirche seien "notwendig und unumgänglich". Es müsse einen öffentlichen Dialog ohne Manipulation geben, weil man "zusammenhalten müsse, um die kleine Minderheit zu isolieren, die Streit und Unruhe verbreiten will", so Chavez laut Kathpress.

In den vergangenen Jahren hatte es zwischen dem Präsidenten und Spitzenvertretern der katholischen Hierarchie in Venezuela heftige Auseinandersetzungen gegeben. Offenbar möchte der Staatschef mit dem neuernannten Kardinal bessere Beziehungen aufbauen.

"Vatikanische Verschwörung"

Zuletzte hatten Bischöfe Mitte Jänner vor undemokratischen Entwicklungen in Venezuela gewarnt. Der frühere Kurienkardinal Rosalio Castillo Lara erklärte, die Regierung habe "ihre demokratische Ausrichtung verloren" und zeige "Anzeichen der Diktatur, wo fast die gesamte Staatsmacht in den Händen einer einzigen Person liegt". Chavez wies diese Kritik scharf zurück und äußerte die Vermutung einer "vatikanischen Verschwörung" gegen seine Regierung. Benedikt XVI. hatte bereits im August des Vorjahres zur Überwindung der politischen Spannungen zwischen Staat und Kirche in Venezuela aufgerufen.

Urosa Savino wurde zwar in Caracas geboren, wuchs aber in Kanada auf. Nach dem Studium der Theologie - u.a. an der Päpstlichen Universität Gregoriana - wurde er 1967 zum Priester geweiht. Der vor einem Jahr verstorbene Papst Johannes Paul II. ernannte ihn am 3. Juli 1982 zum Weihbischof für Caracas. 1990 wurde er zum Erzbischof von Valencia in Venezuela berufen. Papst Benedikt XVI. ernannte ihn am 19. September 2005 zum Erzbischof von Caracas und nahm ihn am 24. März 2006 in das Kardinalskollegium auf. (APA)