Gehämmert wird bis spät in die Nacht, Böden gelegt und gespachtelt rund um die Uhr. Bis zur Eröffnung der Expo 2000 in Hannover am kommenden Donnerstag bleibt noch viel zu tun. Baustellen, so weit das Auge reicht, Schutt und Staub, wohin man tritt. Expo-Chefin Birgit Breuel ist aber zuversichtlich, dass alles rechtzeitig fertig wird. "Die Besucher der Expo am 1. Juni werden keine Unannehmlichkeiten spüren. Uns bleiben nicht nur fünf Tage bis zur Eröffnung, sondern auch fünf Nächte." Bis zum 31. Oktober sollen gut 20 Millionen Besucher das Expo-Gelände stürmen. An Spitzentagen erwarten die Organisatoren 250.000 bis 300.000 Gäste. "Mensch - Natur - Technik: Eine neue Welt entsteht" heißt das Leitmotiv der Expo 2000, der 62. seit der ersten Weltausstellung 1851 in London und die erste auf deutschem Boden. Der Eintritt kostet 120 Mark (840 Schilling) am Eröffnungstag und 69 Mark die Zeit danach. Wenn jeder Besucher zwei Tage bleibt, so die Hoffnung der Veranstalter, könnten 40 Millionen Tickets verkauft werden. Doch selbst dann wäre die Expo ein Verlustgeschäft. Bei Ausgaben von rund 3,4 Milliarden Mark werden bestenfalls Einnahmen von drei Milliarden Mark erwartet, wobei Sponsorengelder schon eingerechnet sind. Noch verläuft der Ticketverkauf schleppend. Ursprünglich hatte man anderes vor. Als man Anfang der 90er-Jahre mit ersten Planungen für die Expo 2000 begann, wollte man sie zu einem sich selbst tragenden Ereignis machen mit null Zuschuss. Nach einem Kassasturz vor zwei Jahren wurde klar, dass sich das nicht ausgeht. Expo-Chefin Breuel argumentiert nun mit der Umwegrentabilität: Bund, Länder und Gemeinden könnten mit Steuermehreinnahmen von rund 4,4 Milliarden D-Mark rechnen (siehe Interview). Tatsächlich profitiert besonders Hannover von der Expo. Sie bescherte der niedersächsischen Hauptstadt die lang ersehnte S-Bahn-Anbindung des Flughafens, eine neue Stadtbahn vom Zentrum zum Messe- (und zugleich Expo-)Gelände, den großteils privat finanzierten Stadtteil Kronsberg, einen Messebahnhof für ICE-Züge und vieles mehr. Eine Milliarde Mark fließen in den Ausbau des Messegeländes, auf dem die Expo stattfindet. Obwohl im letzten Moment einige Länder wie Algerien und Chile abgesprungen sind, nehmen 180 Nationen und internationale Organisationen am fünfmonatigen Event teil - so viele wie noch nie. Wer fehlt, sind die USA. Die Weltmacht hat kurzfristig abgesagt, weil ihr das ganze Konzept nicht passt, wie man bei der Ausstellungsleitung vermutet. Zu sehen gibt es auf einer Fläche so groß wie Monaco neben Highlights aus Wissenschaft und Technik auch viel interessante Architektur. Firmen wie VW, Siemens oder Deutsche Telekom, die als Weltpartner der Expo Sonderrechte genießen, lassen sich ihr Engagement mindestens 30 Millionen D-Mark kosten. "Wir erwarten uns einen Image-Gewinn", sagte Ursula Mertzig-Stein von DaimlerChrysler stellvertretend für andere Unternehmen. Österreich präsentiert sich als "Land der LebensKunst" mit viel Landschaft, Kultur und Ruheinseln. 250 Millionen Schilling stehen für den Auftritt zur Verfügung. Die Steirer haben sich mit dem deutschen Fernsehkoch und "Exilsteirer" Johann Lafer zusammengetan und kredenzen in einem eigenen Restaurant steirische Schmankerln. 15 Prozent des Umsatzes der Gastronomiebetriebe kassiert die Expo-Gesellschaft, die sich auch noch Geld aus der Nachnutzung erwartet. Alles, was nicht auf Dauer gebaut ist, muss bis 5. November verschwunden sein. Dann übernimmt wieder die Messe AG das Gelände. (Günther Strobl)