Achtung: Microlearning kann Ihr Leben verändern. Wer seine Nikotinsucht überwinden oder die Essgewohnheiten verändern möchte, kann das in Kürze mit Unterstützung des ständigen Begleiters, des Mobiltelefons, machen. Oder seinen Computer als Gesundheitscoach verwenden. Die Methode dazu heißt Microlearning. Die Research Studios Austria haben dazu Knowledge Pulse entwickelt und gemeinsam mit NetDoktor.at und der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie Programme zum "Lifestyle changing" entwickelt.

Mobiles Mikrolernen ist die ganz subtile Form der Weiterbildung. Über Computer - der Bildschirmschoner wird zum Lernschoner - oder Handy werden kleine Lernimpulse in den Alltag integriert. So ganz nebenbei löst die Software etwa 15 Lernaktivitäten pro Tag aus. Bewährt hat sich die Methode bei Sprachkursen oder beruflicher Weiterbildung. Wie kann man sich nun die Veränderung des Suchtverhaltens durch Lernimpulse vorstellen? Wie werden Handy und PC zum ganz persönlichen Gesundheitscoach?

Christian Maté, Geschäftsführer von NetCare/NetDoktor.at über die "kognitive Kur": "Es geht darum, den veränderungswilligen Patienten zu unterstützen, positive Visionen anzusprechen." Etwa, wenn man vermittelt, wie sehr es sich lohnt mit dem Rauchen aufzuhören. Ein Beispiel für einen Lernimpuls über "QuitPhone" ist die Frage: Wie lange dauert es, bis das Risiko für einen Herzinfarkt vom Dreifachen wieder auf das Risiko eines Nichtrauchers sinkt? Mögliche Antworten: a)15 Jahre b)10 Jahre c) 6 Jahre d) 2 Jahre. Antwort d) ist richtig.

In zwei Jahren zum Nichtraucher-Herz

Die motivierende Botschaft: Es dauert lediglich zwei Jahre und schon hat man wieder ein Nichtraucher-Herz! Maté: "Es geht um Mikrobausteine des Suchtverhaltens, die durch gezielte Lernimpulse modifiziert werden. Wir werden dabei auch das Know-how von Verhaltenstherapeuten berücksichtigten."

Auch Ärztinnen und Ärzte sollen von den Erkenntnissen der modernen Erwachsenenbildung profitieren: mit dem "Curriculum Pneumologie". In die Ärzte-Fortbildung werden damit erstmals Prozesse der Qualitätssicherung und der evidenzbasierten Medizin integriert. Man verzichtet auf die üblichen Frontalvorträge oder Kongresse, der Arzt/die Ärztin holt sich das Wissen auf den Bildschirm und damit in den Alltag. Die Lernenden konfigurieren ihr Computersystem auf 20 Aufrufe pro Tag, diese Aufrufe initiieren 15 Lernaktivitäten.

Die Software im Hintergrund registriert die Lernfortschritte und gibt die nächsten Schritte vor. Kursinhalte werden für Fach- und Allgemeinmediziner differenziert. Das Curriculum wird ab Herbst als Lizenzmodell angeboten. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.4.2006)