New York/Khartum - Die Weigerung des Sudans, den UN-Hilfskoordinator Jan Egeland in die Krisenregion Darfur einreisen zu lassen, ist bei den Vereinten Nationen auf Kritik gestoßen. UN-Generalsekretär Kofi Annan erklärte am Dienstag in New York sein Bedauern über die Einreiseverweigerung. Die Lösung der drängenden humanitären Probleme in Darfur habe für die UNO höchste Priorität, betonte Annan. Der UN-Sicherheitsrat rief die Regierung in Khartum zur Zusammenarbeit auf. Mitglieder des Gremiums hätten sich bei einer Anhörung über die jüngsten Ereignisse im Sudan besorgt geäußert, sagte der chinesische UN-Botschafter Wang Guangya, dessen Land derzeit den Sicherheitsratsvorsitz innehat. Egeland warf Khartum vor, Missstände in der Krisenregion verheimlichen zu wollen.

Annan wollte nach Angaben seines Sprechers mit dem sudanesischen Präsidenten Omar al-Bashir über die Verweigerung der Einreisegenehmigung für Egeland reden. Nach UN-Angaben war Egeland informiert worden, in der Bürgerkriegs-Region im Westen des Landes nicht willkommen zu sein. Ein ranghoher Vertreter des sudanesischen Außenministeriums hatte dies zurückgewiesen: Der Besuch Egelands sei wegen religiöser Feierlichkeiten im Sudan lediglich um zehn Tage verschoben worden. Er wies zudem Vorwürfe zurück, Egeland sei ausgelanden worden, weil er den Einsatz einer UN-Friedenstruppe in Darfur unterstütze.

Der UN-Hilfskoordinator warf dem Sudan vor, die Zustände in der Krisenregion verheimlichen zu wollen. Die sudanesische Regierung wolle offenbar nicht, dass er zehntausende zur Flucht gezwungene Menschen sehe, sagte Egeland am Dienstag in der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Er forderte die internationale Gemeinschaft auf, ihre Bemühungen für eine Beendigung des Konflikts zu verstärken. Die Krise in Darfur sei möglicherweise eine der schwersten weltweit, sagte er.

Die Afrikanische Union (AU) kündigte am Dienstag eine rasche Untersuchung von Vorwürfen gegen ihre in Darfur stationierten Soldaten an. Der britische Fernsehsender Channel 4 hatte am Sonntag von schweren Übergriffen auf die Zivilbevölkerung berichtet. Unter anderem seien Frauen vergewaltigt und Kinder misshandelt worden. Die AU habe ein unabhängiges Komitee gegründet, das die "schweren und völlig inakzeptablen" Vorwürfe aufklären solle, erklärte der Leiter der AU-Mission im Sudan, Babagana Kingibe. Es werde alles unternommen, um die nötigen Maßnahmen zu treffen und die Fakten zu klären, betonte er.

Die Friedensmission in Darfur ist die erste unter Leitung der Afrikanischen Union. In ihrem Rahmen sind seit 2004 rund 7000 Soldaten in der Region stationiert. Der Einsatz ist aber schlecht ausgestattet und leidet unter Finanzierungsproblemen. Im Februar hatte die AU grundsätzlich einer Übergabe der Mission an die Vereinten Nationen zugestimmt. In Darfur tobt seit Februar 2003 ein Bürgerkrieg, in dem sich schwarzafrikanische Rebellengruppen und von der arabisch-islamischen Regierung in Khartum unterstützte arabische Reitermilizen erbarmungslose Kämpfe liefern. Nach UN-Schätzungen starben bislang bis zu 300.000 Menschen in dem Konflikt; weitere 2,6 Millionen wurden in die Flucht getrieben.(APA)