Wien - Fidiniaina Andrianaivo Randrianatrarana (20) aus Madagaskar studiert Sprachwissenschaften an der Uni Wien. Nun erzählt er vor der Videokamera einen Witz - über den normalsten aller Abgeordneten: ",Wer ist unser aller geliebter Vater?', fragt der neue rechtsextreme Schulinspektor den kleinen Joe. ,Jörg Haider!' ,Gut. Wer ist unser aller geliebte Mutter?' ,Die Republik Österreich!' ,Gut! Was willst du einmal werden, mein Sohn?' ,Vollwaise!'" Kurzes Zögern, dann tönt Lachen durch den Keller der Buchhandlung "Leporello". Spontan und doch: "Rein witztheoretisch ist das die prinzipiell erwünschte Reaktion", sagt Helga Kotthoff. Wertfrei und mit Bleistift in der Hand hockt die Linguistin auf der Stufe zum Vortragspodium und füllt eine Stricherlliste aus: "Pointe. Originalität. Erzählkunst." - Kriterien zur Beurteilung der 16 Lach-, Schmunzel- und (leider auch) Schweigenummern, die beim "Erzählwettbewerb: Witze zur aktuellen politischen Lage" im Rahmen der Scienceweek zum Besten gegeben wurden. "Politisch markante Situationen zeichnen sich immer durch erhöhtes Witzeaufkommen aus", lautete die Eingangsthese der Organisatoren vom Wiener Institut für Sprachwissenschaften. Der - sekt-, saft- und solettigestützte - Lauf der Dinge bestätigte die Vermutung zum Teil. Zwischen Hirn und Mund schien so manche Pointe zu vertrocknen, anderen fehlte es sehr an Kriterium Nummer zwei: "Ein Schlüssel fällt in die Schüssel. Jetzt ist ein Sprung in der Schüssel." Aha. Die allerbesten Witze, meinte die Buchhändlerin Rotraut Schöbel, seien ihr privat hinterbracht worden. Etwa einer der geschüttelten Sorte: "Schüssel: gebrochene Versprechen; Haider: gesprochene Verbrechen." Am Ende siegte ein Showtalent: Tino Klissenbauer (22), Betriebswirtschaftstudent, ging an die Sache mit der Routine eines Lokalfernsehstars heran. Den "Siegerwitz", erzählte er, habe er "in der Nacht rasch" zusammengereimt: Klein Susi,
grad mal sieben Jahr,
acht Monat' und vier Stunden,
hat wunderschönes Haar
und - das Dschungelbuch
gefunden.


Da gibt es Wölfe,
Panther, Bären,
die Affen samt Verwandten,
Bananen, und da wären
auch noch die Elefanten.


Im Dschungel,
denkt die Susi sich,
ist man niemals allein,
und wenn ich groß bin,
möchte ich
die Königskobra sein.


Die Kobra ist sie jetzt
seit mehr als hundert Tagen,
wie oft sie schon gebissen hat,
wer könnte das wohl sagen?


Wer beißt, soll auch
versteh'n,
dass man ihm niemals traut,
vielleicht wird's dann vergeh'n,
dass sie so bissig schaut.

(Irene Brickner)