Wien - Außenministerin und EU-Ratsvorsitzende Ursula Plassnik (V) ist am Freitag mit ihrem Amtskollegen aus Marokko, Mohamed Benaissa, zu einem Arbeitsgespräch zusammengetroffen. Im Zentrum des Gesprächs standen die Beziehungen zwischen Marokko und der EU, insbesondere im Rahmen der Europäischen Nachbarschaftspolitik. Darüber hinaus erörterten die Außenminister auch bilaterale und regionale Themen, teilte das Außenministerium in einer Aussendung mit.

"Hinsichtlich der regionalen Zusammenarbeit im Maghreb ist die ungelöste Westsahara-Frage nach wie vor das zentrale Hindernis. Die EU und Österreich unterstützen die Bemühungen der Vereinten Nationen, auf eine lange überfällige Lösung des Konflikts hinzuarbeiten", erklärte die Außenministerin.

Widerstand gegen Referendum

Marokko widersetzt sich seit mehr als einem Jahrzehnt der Durchführung des von der UNO geforderten Selbstbestimmungs-Referendums für die ehemalige spanische Kolonie, die 1975 von Marokko annektiert wurde. Die Westsahara-Befreiungsorganisation "Frente Popular para la Liberacion de Saguia el Hamra y Rio de Oro" (Polisario) rief 1976 die Demokratische Arabische Republik Sahara (DARS) aus, die von über achtzig Staaten anerkannt wird.

In ihrem Gespräch mit Benaissa wies Plassnik auf lange Tradition der Beziehungen zwischen Marokko und der EU hin. Marokko sei eines der ersten Länder des Mittelmeerraumes gewesen, das in einen verstärkten politischen Dialog und eine vertiefte Zusammenarbeit mit der EU eingetreten sei. "Marokko war auch unter den ersten Teilnehmern der Europäischen Nachbarschaftspolitik, deren Aktionspläne eine auf das jeweilige Land abgestimmte Kooperation mit der EU ermöglichen", so Plassnik.

Konferenz über Migration

Im Hinblick auf das Thema Migration meinte die Außenministerin: "Wir begrüßen die marokkanisch-spanisch-französische Initiative zur Abhaltung einer regionalen Konferenz über Migration und Entwicklung im Juli in Rabat. Gemeinsames Ziel dieses Treffens ist es, den westafrikanischen Migrationsströmen nach Europa besser begegnen zu können."

Plassnik betonte im Zusammenhang mit Menschenrechtsfragen die "jüngsten ermutigenden Entwicklungen" in Marokko und strich im Besonderen die positive Rolle der "Instance Equité et Réconciliation" zur Aufarbeitung von Menschenrechtsverletzungen zwischen 1956 und 1999 hervor. Die Einrichtung eines eigenen Menschenrechtsauschusses würde eine willkommene Weiterentwicklung der Beziehungen zwischen der EU und Marokko darstellen. (APA)