Kfar Kila/Jerusalem - Die Spannungen an der israelisch-libanesischen Grenze haben am Sonntag trotz der Bemühungen der UNO-Friedenstruppe (UNIFIL) zugenommen. Zwei palästinensische Jugendliche wurden bei einer Auseinandersetzung mit israelischen Soldaten vermutlich von einem Gummigeschoss getroffen und leicht verletzt. Im Südlibanon kam es zum ersten gewaltsamen Todesfall nach Abzug der israelischen Armee: Ein christlicher Dorfbewohner von Rmaish wurde von einem Hisbollah-Kämpfer angeschossen und starb an seinen Verletzungen. Nach Angaben von libanesischen Sicherheitskreisen war der 50-jährige Dorfbewohner im Krankenhaus gestorben, nachdem er mit anderen Männern versucht hatte, die Entführung eines Mannes aus dem Dorf durch die Hisbollah zu verhindern. Die Gruppe sei dem Hisbollah-Kämpfer gefolgt und wollte ihn zur Freilassung des Mannes bewegen. Daraufhin habe dieser auf die Dorfbewohner geschossen und einen getötet und einen zweiten verwundet. Nach Darstellung der Hisbollah habe der Kämpfer lediglich einen Automechaniker gesucht. Der palästinensische Präsident Yasser Arafat begrüßte unterdessen den israelischen Rückzug aus dem Südlibanon als wichtigen Schritt zum Frieden im Nahen Osten. Die UNIFIL konnte bisher ihre Zusage, das nach dem israelischen Abzug entstandene Machtvakuum auszufüllen, nicht einhalten. Und da auch die libanesische Armee noch nicht in Südlibanon eingerückt ist, haben dort weiter die Kämpfer fundamentalistischen Miliz Hisbollah das Sagen. UNIFIL-Soldaten zogen zwar am Samstag am Grenzzaun auf, nachdem Dutzende Libanesen Steine und Brandbomben über den Stacheldrahtzaun auf die israelische Seite geworfen hatten, sie verließen den Ort aber wieder, nachdem sich die Lage beruhigt hatte. (APA)