Quito - Die Krise um Menschenhandel und Korruption beim Fußball-WM-Teilnehmer Ecuador zieht immer weitere Kreise. Nach Teamkoordinator Vinicio Luna sitzt nun auch der Mannschaftsarzt Patricio Maldonado hinter Gittern. Er wurde nach seiner Rückkehr aus Argentinien in seiner Heimat festgenommen.

Beide wurden am Mittwoch von der Staatsanwaltschaft des Versuchs bezichtigt, Landsleute als angebliche Mitglieder der Nationalmannschaft gegen Geld illegal in die USA einzuschleusen. Die Euphorie der WM-Qualifikation ist inzwischen in heftige Kritik am nationalen Verband FEF umgeschlagen.

Drei Ecuadorianer, die im Februar als Nationalspieler getarnt ein US-Visum bei der US-Botschaft erhalten hatten, belasten Maldonado schwer. Er sei der Kontaktmann gewesen, der bei der Visabeschaffung geholfen habe. Um mit dem Visum der Nationalmannschaft die Einreise in die USA zu erreichen, habe jeder 7.000 Dollar (5.773 Euro) zahlen müssen. Das geliehene Geld fordern sie jetzt von Luna zurück.

Zwei weitere Männer aus der Amazonasregion, die ihre illegalen Visa als Spieler der Nationalmannschaft bereits im Februar erhalten hatten, nannten im Verhör durch die Staatsanwaltschaft den Namen des Arztes der "Seleccion". Insgesamt sind schon sieben Fälle von illegaler Visabeschaffung bekannt geworden, seit Luna vor drei Wochen festgenommen wurde.

Der Fußballverband FEF steht mit dem Rücken zur Wand. Den Funktionären werden undurchsichtige Finanzpraktiken und mangelnder Willen zur Aufklärung des Skandals vorgeworfen. Bisher ist nicht einmal klar, seit wann illegale Visa gegen Bezahlung über den FEF beschafft wurden. Die Justiz überprüft deshalb jetzt die Reisen der zurückliegenden Jahre. (APA/dpa)