Stockholm - Ein Schlupfloch im Steuerabkommen zwischen Schweden und Österreich macht es laut einem Bericht des schwedischen Nachrichtenradios "Ekot" möglich: Schwedische Unternehmer können die Besteuerung des Gewinns bei der Veräußerung ihres Unternehmens effektiv vermeiden, indem sie den eigenen Wohnsitz vor dem Verkauf der Firma nach Österreich verlegen. Im vergangenen Jahr soll dies zu einem Boom bei Übersiedelungen von Schweden nach Österreich geführt haben.

Steuerflucht

Dem am Dienstag gesendeten Radiobericht zufolge war die Anzahl der Übersiedelungen von Schweden nach Österreich jahrzehntelang konstant. Erst im vergangenen Jahr habe man einen kräftigen Anstieg - um fast 40 Prozent - verzeichnet. Dieser Aufschwung könne großteils durch Steuerflucht erklärt werden, hieß es unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen. Die schwedischen Finanzbehörden schätzen den Verlust für den Fiskus laut "Ekot" auf bisher rund fünf Milliarden Kronen (536 Mio. Euro).

Laut einem Steuerberater, der in dem Radiobericht zu Wort kommt, kann die schwedische Steuerbehörde derzeit nicht viel tun, um derartige Praktiken zu unterbinden. Es gelte für die Steuerflüchtlinge allerdings auf einige Details aufzupassen, etwa dass man nach der Abwicklung des vor der Besteuerung "verschonten" Geschäfts nicht allzu schnell wieder nach Schweden zurück wechselt.

Technisch wird die schwedische Gewinnsteuer laut "Ekot" vermieden, weil der Wertunterschied des zu veräußernden Unternehmens erst zwischen dem Zeitpunkt der Übersiedlung nach Österreich und der Transaktion berechnet wird, und nicht der tatsächliche Wertunterschied zum ursprünglichen Wert des Unternehmens. (APA)