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Foto:Reuters/Karpukhin
Das endgültige Aus für den russischen Ölkonzern Yukos ist greifbar: 33 Milliarden Dollar an Marktwert wurden seit Oktober 2003 eingebüßt, die Hauptfördertochter Yuganskneftegas vom staatlichen Ölkonzern Rosneft geschluckt. Von den insgesamt rund 30 Mrd. Dollar Steuernachforderungen wurde wohl der Großteil, aber bei Weitem nicht alles bedient. Die russischen Aktiva sind eingefroren.

Zeichen des nahenden Endes

Im Juni will ein Moskauer Konkursgericht über den endgültigen Bankrott entscheiden. Vom nahen Ende zeugt insbesondere das hektische Gerangel um die Yukos-Auslandsaktiva. Nachdem das zweitgrößte, die 49 Prozent an der slowakischen Pipelinegesellschaft Transpetrol, Anfang Februar vom russischen Ölkonzern Russneft erworben worden war, wird nun um das größte gefeilscht: die 53,7 Prozent an der litauischen Großraffinerie Mazeiki¸u Nafta.

Sie ist die einzige Raffinerie im Baltikum, erbringt 20 Prozent des litauischen Bruttoinlandsprodukts, verarbeitete 2005 an die neun Millionen Tonnen Öl und wird gegenwärtig hauptsächlich vom Ölkonzern Lukoil versorgt.

Seit Monaten verhandeln vier Ölgesellschaften erfolglos mit der litauischen Regierung über diesen Anteil: Lukoil, TNK-BP, die polnische PKN Orlen und die kasachische KazMunaiGas. Ursprünglich wollte auch die von Robert Novikovski kontrollierte österreichische Jurimex gemeinsam mit dem in Wien lebenden Gasprom-Exilanten Jakow Goldowski am Tender teilnehmen, schied aber aus.

Ende letzter Woche spitzte sich die Situation zu. Litauens Regierung und Yukos versprachen, den Kauf rasch abzuschließen. Am Freitag berichtete die russische Zeitung Kommersant, die Litauer seien mit Yukos prinzipiell übereingekommen, den Yukos-Anteil für 1,7 Mio. Dollar aufzukaufen und mit zusätzlichen 20 Prozent des eigenen Anteils an der Raffinerie an KazMunaiGas zu verkaufen.

Den Großteil des Erlöses würde Yukos zur Tilgung von 660 Mio. Dollar Schulden an seinen Hauptaktionär GML (die zuvor Menatep genannte Gruppe inhaftierter oder flüchtiger Yukos-Manager) überweisen. Im Dezember 2005 hatte ein Kreisgericht in Amsterdam verfügt, die Yukos-Auslandsaktiva zur Tilgung dieser und weiterer 482 Mio. Dollar Schulden bei ausländischen Gläubigerbanken zu verkaufen. Letztere hat mittlerweile Rosneft übernommen. In diesem Sinne hat die russische Regierung die litauische nun ermahnt, Hauptgläubiger Rosneft den Verkaufserlös zu geben.

Der mittlerweile im selbst gewählten Londoner Exil lebende Yukos-CEO Steven Theede, dem die Moskauer Yukos-Manager bereits die Gefolgschaft verweigern, will den Verkauf schnell über die Bühne bringen. Anders Eduard Rebgun. Er wurde am 28. März von einem Moskauer Schiedsgericht als interimistischer Verwalter eingesetzt, womit Yukos bis 27. Juni praktisch unter Kuratel steht.

Da vor dem Moskauer Schiedsgericht auf Betreiben Rosnefts das Konkursverfahren gegen Yukos läuft, dürfen während des Verfahrens Aktiva, die größer als 30 Mio. Rubel (gut eine Mio. Dollar) sind, nicht ohne Zustimmung Rebguns verkauft werden. Somit würde ein Verkauf von Mazeiki¸u Nafta den Konkursprozess gefährden. Theede, der Rebgun versicherte, alle russischen Gesetze einzuhalten, führt aber ins Treffen, dass die Anteile an Mazeiki¸u Nafta nominell nicht von Yukos, sondern von Yukos International UK B.V. gehalten würden. Zum Schutz der Auslandsaktiva vor einem fremden Zugriff hatte Rebgun sich an das Bundesgericht in New York gewandt, um zu verhindern, dass die Yukos-Führung in den USA die Aktiva verkauft. Die Folge: ein zehntägiges Moratorium, das am Freitag verlängert werden könnte.

Das wahrscheinlichste Ende: Die staatliche Rosneft, die sich bereits Yuganskneftegas einverleibt hat, wird auch die russischen Aktiva schlucken. (DER STANDARD Printausgabe 19.04.2006)