Das so genannte "Waldhirtenhaus" in Übersaxen (Vorarlberg) ist ein über 250 Jahre altes Bauernhaus, das typologische Ähnlichkeit mit dem Bregenzerwälder Haus aufweist. Bauherr Edgar Balter hat es vor einigen Jahren erworben und modernisiert es seitdem in Eigenregie, ohne die alte Substanz zu sehr zu beeinträchtigen.
Mit den Schindeln für die Außenwand (Bild) war der Besitzer etwa einen ganzen Sommer lang beschäftigt.

Foto: Lümbacher

Geplant wurde der Umbau von Irene Prieler (grundstein_architektur), Assistentin am Institut für Tragwerkslehre und Ingenieurholzbau der TU Wien, und dem Architekturschaffenden Peter Krabbe.

Das Haus wurde in seinem Bestand saniert und adaptiert. Die Kellerwände wurden - soweit notwendig - mit armiertem Beton saniert, die tragenden oberirdischen Wände in Leichtbauweise sowie mit Stahlbeton adaptiert.

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Die Wahl der Materialien wurde dabei von der bäuerlichen Umgebung beeinflusst: Möglichst günstige Materialien wurden ohne weitere Bearbeitung verwendet, ausgebaute Hölzer wurden wieder verwendet bzw. nach dem Ausbau wieder in den Bestand integriert. "Sie dürfen und sollen sich mit der Benutzung verändern und mit den Bewohnern mitleben und altern", erklärt Prieler.

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"Die Stahl-Glas-Struktur bezieht im Gegensatz dazu Position zur Gegenwart", so die TU-Assistentin weiter. Diese "Glasglocke" an der Nordwestseite des Hauses, die dem Bewohner den Blick auf die untergehende Sonne eröffnet, durchtrennt den Altbestand als Fremdkörper...

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...und fungiert als "zeitgemäße Stellungnahme fremder Sprachlichkeit" im Altbestand: "Stahl und Glas in ihren rohen Formen als Kontrapunkt zum tradierten Holzbau, beides jedoch eingebettet in die unverfälschte bäuerliche Interpretation der Materialsprache", erklärt Prieler. Durch diese Neuinterpretation werde Anbiederung des Neuen durch Imitation des Alten vermieden.

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Die Durchschneidung der Dachhaut...

Foto: Prieler

...ermöglicht die optimale Belichtung...

Foto: Prieler

...der vorher sehr dunklen Gangküchenzone, die dadurch im Gesamtgefüge der bestehenden Hausstruktur aufgewertet wird.

Foto: Prieler

Bestimmende Parameter für den Entwurf waren die geringe Raumhöhe des Bestandes (1,87 m) und die Körpergröße des Besitzers (1,90 m).

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Mit Bedacht auf den Altbestand wurden Durchbrüche geschaffen, die in ihrer meist verdoppelten Höhe die Niedrigkeit der bestehenden Räume kontrastieren...

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...und durch den steten Wechsel der Raumhöhen die Spannung des räumlichen Kontextes erzeugen.

Foto: Prieler

Die Wohnnutzfläche des "Waldhirtenhauses" beträgt 145,80 m², der Keller umfasst 29,84 m². Die alten Fenster wurden durch moderne Holz-Kastenfenster gleicher Bauart ersetzt.

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Die gesamten Baukosten für den Umbau betrugen rund 180.000 Euro. (map)

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Fotos: Regina Lümbacher, Irene Prieler

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