München - Auf der Suche nach neuen Spielern scheiden für den deutschen Bundesliga-Krösus Bayern München die Superstars des internationalen Fußballs weiterhin aus. Der deutsche Rekordmeister werde seinen Kurs der wirtschaftlichen Vernunft auch in Zukunft nicht verlassen, sagte Manager Uli Hoeneß am Samstag im "Aktuellen Sportstudio" des ZDF.

"Ich würde auch gerne einen Ronaldinho kaufen. Aber in dem Moment, in dem wir den kaufen, wollen alle unsere Spieler auch das Doppelte verdienen. Dann sind unsere 150 Millionen Euro Rücklagen in zwei Jahren weg. Und wenn wir dann nichts gewinnen, sind wir da, wo einige deutsche und internationale Vereine auch stehen, nämlich am Boden."

Die Zurückhaltung auf dem Transfermarkt wird auch durch die finanzielle Krise des Stadionpartners TSV 1860 München beeinflusst. "Da haben wir ein Riesenproblem, das muss ich zugeben", bestätigte Hoeneß. Seit mehreren Monaten sei die Vereinsführung des FC Bayern nahezu die Hälfte der Arbeitszeit damit beschäftigt, nach Lösungen zu suchen, wie man dem vom Abstieg aus der 2. Bundesliga bedrohten Klub des österreichischen Trainers Walter Schachner helfen könne.

FC Bayern-Unterstützung für 1860?

"Es sieht so aus, dass 1860 quasi insolvent ist", sagte der Bayern-Manager: "Das hat zur Konsequenz, dass wir sehr wahrscheinlich Geld in die Hand nehmen müssen, um 1860 zu retten, damit unseren Partner und das Stadion zu retten."

"Barcelona und Milan besser als wir"

Trotz des frühzeitigen Ausscheidens aus der Champions League sieht Hoeneß den erfolgreichsten deutschen Verein nicht im internationalen Mittelmaß. "Ich behaupte, es gibt im Moment zwei Vereine in Europa, die besser sind als wir, Barcelona und Milan. Alles andere ist nicht besser", sagte Hoeneß. Allerdings habe Barcelona 123 Millionen Euro Personalkosten im Jahr, "und wir haben nicht einmal die Hälfte".

"Ein Spieler kann niemals das Gehaltsgefüge des FC Bayern auseinander bringen", erklärte Hoeneß. Diesem Grundsatz sei man auch bei Michael Ballack treu geblieben, der die Bayern am Saisonende höchstwahrscheinlich in Richtung Chelsea verlassen wird. "Wenn wir die Kasse so weit aufgemacht hätten, wie es der Berater des Spielers gewollt hätte, dann wäre er geblieben. Da bin ich ziemlich sicher", behauptete Hoeneß.

Er äußerte zum bevorstehenden Abschied des Nationalmannschafts-Kapitäns versöhnliche Töne: "Michael Ballack hat vier sehr, sehr gute Jahre hier gehabt. Wir waren mit seiner Leistung sehr zufrieden. Er war ein wunderbarer Repräsentant des Klubs, er ist ein Sunnyboy, er ist ein beliebter Spieler. Er ist für das Image des Vereins im In- und Ausland großartig gewesen."

Hoeneß stellte Mittelfeldspieler Mehmet Scholl (35) noch einmal eine Vertragsverlängerung um ein Jahr in Aussicht. "Wenn Mehmet sagt, er will unbedingt noch ein Jahr Fußball spielen, dann werden wir sicherlich einen Weg finden, dass er das bei uns kann." (APA/dpa)