Moskau - Die Begünstigten des 50-Prozent-Anteils, den die Riag treuhänderisch am Gastransitkonsortium RosUkrEnergo hält, bleiben weiterhin im Dunkeln. Nun interessiert sich die US-Justiz. Der russische Gasmonopolist Gasprom hatte dem in der Schweiz registrierten Konsortium RosUkrEnergo (RUE) mit Beginn 2005 das Recht auf den Transport des turkmenischen Gases in die Ukraine abgetreten.

Nach dem heurigen Gasstreit erhielt RUE gemäß Vereinbarung zwischen dem russischen und ukrainischen Präsidenten auch das Recht, das gesamte zentralasiatische Gas (ca. 50 Mrd. m³), das über Russland in die Ukraine fließt, sowie weitere maximal 17 Mrd. m³ Gas nach Europa zu transportieren. 50 Prozent des Konsortiums hält Gasprom, den Rest die Raiffeisen International AG (Riag) im Auftrag ungenannter Dritter. Das große Rätsel um deren Identität bleibt nach wie vor ungelöst.

Wie das Wall Street Journal am Freitag berichtete, habe die US-Justizbehörde für organisiertes Verbrechen Vertreter von RUE und Riag zur undurchsichtigen RUE-Eigentümerstruktur einvernommen. Das US-Interesse kam auffälligerweise, nachdem Russland wieder einmal laut über eine Gaspreiserhöhung für die Ukraine nachdachte. Manche Beobachter sehen den Grund des Interesses aber darin, dass RUE der Verbindung zum organisierten Verbrechen verdächtigt wird.

Geheimnis

Offiziellen Aussagen zufolge wollen weder der russische noch der ukrainische Präsident über die Hintermänner Bescheid wissen. Riag selbst gibt das Geheimnis nicht preis. Selbst der russische Geheimdienst gab sich in der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage unwissend. Dafür äußerte im Vorjahr der damalige ukrainische Geheimdienstchef Alexandr Turtschinow den Verdacht, dass RUE indirekt von Semjon Mogilewitsch kontrolliert werde. Mogilewitsch, wegen Erpressung, Betrug und Geldwäsche auf der FBI-Fahndungsliste, gilt international als eine der bedeutendsten Figuren der organisierten Kriminalität. Große Fäden seines Netzwerkes laufen über Israel. Laut russischer Tageszeitung Kommersant ist Mogilewitsch jedenfalls bei den Verhandlungen zur Beendigung des Gasstreits dabei gewesen.

Auch ist das undurchsichtige RUE-Vorgängerkonsortium Eural TG mit Mogilewitsch verbunden. Ob Mogilewitsch tatsächlich der Begünstigte ist, bleibt Gegenstand von Spekulationen. Österreichs Wirtschaftsminister Martin Bartenstein sieht eigenen Worten zufolge keinen Anlass für irgendwelche Untersuchungen: Raiffeisen sei ein großer Investor in Osteuropa und stehe für Seriosität. (Eduard Steiner, Moskau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.4.2006)