Berlin - Der deutsche Ifo-Geschäftsklimaindex kletterte auf 105,9 von 105,4 Punkten und stabilisierte sich damit auf dem bereits im Vormonat erreichten höchsten Stand seit April 1991, wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Dienstag mitteilte: "Dies spricht für eine weiterhin robuste Konjunkturentwicklung." Nach wie vor hegten die Industrieunternehmen sehr positive Erwartungen an das Exportgeschäft.

Zuversicht

Die rund 7.000 befragten Unternehmen bewerteten im April ihre derzeitige Situation zuversichtlicher: Der Lageindex stieg auf 106,4 von 105,1 Punkten. Der Optimismus über die Geschäftsaussichten nahm minimal ab, so dass das Barometer für die Erwartungen auf 105,5 von 105,7 Punkten zurück ging.

Ifo-Volkswirt Klaus Abberger sagte, die Aussichten für 2007 seien wegen der geplanten Mehrwertsteuererhöhung fraglich. Ein großes Risiko bleibe zudem der hohe Ölpreis. Dagegen könnte die Wirtschaft eine im Juni erwartete Zinserhöhung der EZB wohl verkraften, sagte Abberger.

Analysten hatten unter anderem wegen des hohen Ölpreises im Schnitt damit gerechnet, dass der Ifo-Index auf 104,9 Punkte sinkt.

Neben dem Verarbeitenden Gewerbe beurteilten auch der Bau und der Großhandel ihre aktuelle Lage optimistischer. "Dagegen ist der Geschäftsklimaindex im Einzelhandel auf Grund vorsichtigerer Lageeinschätzungen etwas gefallen."

Ölpreis als großes Risiko

Weiters geht das Ifo-Institut von einer robusten Wirtschaftserholung aus. Gefahren für die Konjunktur sehen die Konjunkturexperten allerdings durch die zuletzt auf deutlich über 70 Dollar (56,6 Euro) pro Fass gestiegenen Ölpreise.

"Der Ölpreis ist sicher ein großes Risiko", sagte Ifo-Volkswirt Klaus Abberger. Er gehe auf Dauer von einem relativ hohen Ölpreis aus, der aber schwanken werde. "Wenn der Preis wieder auf etwa 60 Dollar fallen sollte, spielt es nicht so eine große Rolle für die Konjunkturentwicklung", sagte er. Abberger bekräftigte, dass eine kleine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank im Juni ohne negative Folgen für das Wachstum bleiben würde.

Ifo-Volkswirt Gernot Nerb sagte dem Sender "Bloomberg TV", trotz der guten wirtschaftlichen Entwicklung erwarte er nur einen moderaten Anstieg der Beschäftigung. (APA/Reuters)