Mit Zwangsjacke und Schelmenglöcklein zur Gugging-Blockveranstaltung.

Foto: Anatomietheater/Lang
Wien - Vor zehn Jahren hingen noch Tierkadaver von der Decke, heute warten neben Sektionstischen und Waschtrögen Theaterbesucher auf den Vorstellungsbeginn. Im Anatomiegebäude der alten veterinärmedizinischen Universität im Bezirk Landstraße hat der Aktionskünstler und Showinist Hubsi Kramar - so schnell kann die Theaterreform gar nicht schauen - drei Räume erobert. Nicht für sich, sondern für Theaterkünstler, die im Verteilungskampf um Pfründe leer ausgingen.

Ganz im Ernst: Jeder, der etwas zu zeigen hat, so Kramar nach der Eröffnungspremiere seiner Staatsgroteske "Gugging goes Ballhausplatz", bekommt dafür fünf oder zehn Minuten an einem der kommenden Vorstellungstage.

Zwei der insgesamt drei adaptierten Räume sind jetzt schon bespielbar: der Hörsaal und der Anatomiesaal; der Seziersaal wird im September als Kommunikations- und Clubraum eröffnet.

Lektion mit Federboa

"Gugging goes Ballhausplatz" erblüht auf dem Frühjahrskompost der österreichischen Bildungspolitik zu einer trashigen Opera buffa mit Bontempi-Begleitband (GO FAAST). Krankgepuderte und in Pumphosen oder Zwangsjacken gesteckte Höflingsgestalten richten vor den steilen Rängen des alten Hörsaals eine Hofnarren-Posse als Blockveranstaltung aus:

Ein Professor für angewandte Fröhlichkeit im Gaukleroutfit (Kostüme: Caterina Czepek) doziert am eigenen Wanst das gekonnte Lachen; eine chinesische Gastprofessorin hält Nonsensvorträge ("Ich wiederhole mich und betone mich") mit Federboa. Die Institutsleiterin Blockflötenliesl ("Liesl von uns Zugacking") mit rosa getönter Brille trägt Raverhörnchen und schiebt auf der Kanzel den Mozartologen (Stefan Weber als Vier-Oktaven-Furzer!) vor ihre eigene Gemütsverfassung.

In Deppenfranzösisch moderiert Hubsi Kramar die "Ölütenüniversitätsveranstaltung". Als Regisseur erhebt er das darstellerische Draufgängertum seiner Truppe (darunter Non- und Möchtegernschauspieler) im freiwilligen Dilettantismus leichthändig über die Ansprüche der "schönen Künste". Das Scheitern ist der Weg, im Nichtkönnen liegen die Impulse dieser Kunst.

3raum-Anatomietheater, Beatrixgasse 11: Hier wird es noch lustig werden. Hubsi Kramar ist und bleibt einfach der ausgewiesene Vollstrecker der "Happy Art and Attitude"-Bewegung von Gunter Falk und Wolfgang Bauer. (DER STANDARD, Printausgabe, 26.04.2006)