Linz - Die Österreicher blicken der Zukunft mehrheitlich positiv entgegen. Das ist beachtlich, weil viele eine Zunahme der Arbeitslosigkeit befürchten. Das ist das am Mittwoch veröffentlichte Ergebnis einer Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstitutes "Spectra".

Von den 1.000 repräsentativ für die Gesamtbevölkerung ab 15 Jahren befragten Personen blickten 53 Prozent den kommenden zwölf Monaten "mit Zuversicht" entgegen, 34 Prozent "mit Sorge". 13 Prozent enthielten sich der Stimme.

Bei der Frage nach der weiteren Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Österreich im selben Zeitraum rechneten 54 Prozent mit einem Zunehmen, nur sechs Prozent mit einem Abnehmen, 33 Prozent mit einem Gleichbleiben.

Falscher Informationsstand

Überrascht waren die Meinungsforscher darüber, dass 44 Prozent der Österreicher grundsätzlich glauben, die absolute Zahl der Arbeitsplätze sei zurückgegangen. Immerhin sei es laut Statistik Austria so, dass zwischen 1994 und 2004 die absolute Zahl um zirka 90.000 gestiegen sei. Als Ursache für den falschen Informationsstand der Befragten vermutet Spectra die laufende negative Berichterstattung über steigende Arbeitslosenzahlen.

42 Prozent der Befragten glauben, dass es wirksame Maßnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit gebe. Eine mit 41 Prozent nahezu ebenso große Gruppe äußert sich hingegen resignativ und vertritt die Meinung, Österreich werde weiterhin mit einer hohen Arbeitslosigkeit leben müssen. Bei den ÖVP-Wählern überwiegt diese pessimistische Einstellung. Bei den SPÖ-Anhängern sind beide Gruppen nahezu gleich groß. Bei den Sympathisanten der FPÖ und der Grünen überwiegen die Personen, die von der Möglichkeit wirksamer Maßnahmen überzeugt sind.

Abwandern von Betrieben

"Was sind die Hauptgründe für die steigende Arbeitslosigkeit ?", fragte Spectra. 62 Prozent nennen das Abwandern von Betrieben nach Osteuropa und Asien. 53 Prozent verweisen auf moderne Technologien, durch deren Einsatz mit weniger Leuten immer mehr produziert werden könne. 49 Prozent machen falsche Politikerentscheidungen dafür verantwortlich. 47 Prozent glauben, "Ausländer nehmen den Österreichern Arbeitsplätze weg". 44 Prozent sehen die Schuld bei Konsumenten, die zu viele preisgünstige Produkte aus Globalisierungsländern anstatt von österreichischen oder europäischen Unternehmen kaufen.

SPÖ kritisiert Regierung

Die SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures reagierte auf das Umfrageergebnis mit Kritik an der "Ignoranz der Regierung Schüssel". Die Arbeitsplatzsorgen der Österreicher würden die schwarz-blau-orange Regierung kalt lassen. "Sie denkt ausschließlich an ihre eigenen Jobs", warf ihr Bures vor und verwies auf die Bestellung von Ex-FPÖ-Minister Mathias Reichhold zum Asfinag-Vorstand.

Anstatt endlich wirksame Konzepte gegen die Rekordarbeitslosigkeit vorzulegen, würden immer mehr Arbeit suchende Menschen in Schulungen versteckt, um die Arbeitslosenstatistik im Wahljahr zu schönen, stellte Bures im Pressedienst ihrer Partei fest. Für die SPÖ sei ist die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit oberstes Ziel. Binnen einer Legislaturperiode wolle sie die Jugendarbeitslosigkeit zumindest halbieren.

"Bewusste Missinterpretation"

Der ÖVP-Sozialsprecher Walter Tancsits wies die Kritik von Bures zurück und warf ihr "bewusste Missinterpretation" der Spectra-Umfrage vor. Die wesentliche Botschaft der Umfrage sei, dass die Österreicher der Zukunft mehrheitlich positiv entgegen blicken würden.

Bures müsse sich auch selbst an der Nase nehmen, wenn es darum gehe, dass 44 Prozent der Österreicher glauben, die absolute Zahl der Arbeitsplätze sei zwischen 1994 und 2004 zurückgegangen, obwohl laut Statistik Austria die Zahl der Arbeitsplätze um 90.000 gestiegen ist. Die falschen Wahrnehmungen seien auf die permanente negative Polemik der Opposition, insbesondere der SPÖ und Bures, zurückzuführen, die die Menschen verunsichere, kritisierte Tancsits. (APA)