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OEBB Vorstandschef Martin Huber bei der heutigen Bilanz PK.

Foto: APA/Schlager
Wien – Die in Rekordhöhen gekletterten Benzin- und Dieselpreise bringen auch die Eisenbahner zum Schwitzen. Vor allem im Nahverkehr steigen immer mehr Pendler auf die Bahn um. Aber auch im Fernverkehr sind die Züge so gut gefüllt wie schon lange nicht.

Bereits im Vorjahr haben die ÖBB einen Beförderungsrekord aufgestellt. 437,4 Millionen Reisende bedeuteten gegenüber 2004 ein Plus von einem Prozent, das entspricht 4,3 Millionen Passagieren mehr. "Heuer bahnt sich ein neuer Rekord an", sagte ÖBB- Generaldirektor Martin Huber bei der Präsentation der Bilanzzahlen am Mittwoch.

Auf einigen Verbindungen habe es in den ersten Monaten dieses Jahres zweistellige Prozentzuwächse gegeben. Huber: "Im Jänner und Februar hatten wir gegenüber den Vergleichsmonaten 2005 zwischen Wien und Graz ein Plus von 16 Prozent in der ersten Klasse, zwischen Wien und Innsbruck 24 Prozent, insgesamt mehr als sechs Prozent."

Qualität

Die Zuwächse will Huber aber nicht allein auf äußere Umstände wie den teureren Sprit zurückgeführt wissen. "Auch die Qualität der Dienstleistung hat sich verbessert, ebenso die Pünktlichkeit der Züge. Das zusammen macht es aus", sagte der ÖBB-Chef.

Tariferhöhung im Herbst

Im Herbst könnte eine Tariferhöhung deutlich über der Inflationsanpassung ins Haus stehen. "Wenn die Energiepreise so hoch bleiben, ist die Wahrscheinlichkeit eher größer als kleiner, dass so etwas passiert", sagte Huber. Hohe Strom- und Dieselpreise könne auch die Bahn nicht einfach wegstecken.

Die neu strukturierte Bahn mit den vier Teilkonzernen Personen- und Güterverkehr, Infrastruktur und Bau unter dem Dach der ÖBB-Holding AG hat 2005 die Gesamterträge auf 5,034 Mrd. Euro nach 4,642 Mrd. Euro 2004 gesteigert. Das Vorsteuerergebnis (EGT) wurde auf 13 Mio. Euro verbessert – nach minus drei Mio. 2004. Allerdings wurden in erheblichem Ausmaß Erlöse aus Immobilienverkäufen erzielt, die sich in Summe auf 71 Mio. Euro beliefen, fast doppelt so viel wie 2004. Dieses Geschäft soll ausgebaut werden, kündigten Huber und Finanzvorstand Erich Söllinger an.

Expansion im Südosten

Im Güterverkehr hat die Bahn trotz weniger Tonnage knapp zwei Mrd. Euro umgesetzt. Nach der geplanten Übernahme der slowakischen Cargo-Gesellschaft will Rail Cargo Austria die Fühler nach Ungarn, Bulgarien, Rumänien ausstrecken. Ziel sei es, klar Nummer eins beim Güterverkehr in der Region zu werden.

Vom Bund bekamen die ÖBB für erbrachte Leistungen 1,56 Mrd. Euro. Ein direkter Vergleich mit 2004 ist wegen der erfolgten Teilentschuldung nicht möglich. Insgesamt kostet allein der Betrieb der Bahn jeden Österreicher rund 200 Euro pro Jahr. Dazu kommen noch rund zwei Mrd. Euro an Bauinvestitionen, die vom Bund gezahlt werden, sowie Bestellungen der Länder und anderer Unternehmen.

In den kommenden Jahren bräuchten die ÖBB mehr Geld vom Staat, sagte Huber. Sonst falle die Eigenkapitalquote des Teilkonzerns Bau unter acht Prozent und wäre damit insolvenzgefährdet.

Weiter fortgesetzt hat sich der Abbau von Mitarbeitern im Unternehmen. Allein im Vorjahr waren es fünf Prozent. Aktuell gibt es noch 46.000 Mitarbeiter bei der Bahn. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.4.2006)