Wien - "Eine Gesundheitsgefährdung für Menschen durch den Mobilfunk - Handys und Sendestationen - ist mittels bisher durchgeführter wissenschaftlicher Untersuchungen nicht nachzuweisen, aber auch nicht völlig auszuschließen. Diese bereits vielfach geäußerte Expertenmeinung bestätigt eine neue Studie der Austrian Research Centers Seibersdorf. "Mensch und Mobilfunk" Die Studie wurde bei einer Enquete von Radio Österreich 1 zum Thema "Mensch und Mobilfunk" am Dienstag in Wien präsentiert. Für ihre Studie analysierten die Seibersdorfer Forscher in Zusammenarbeit mit den Universitäten Wien und Innsbruck sowie den Technischen Unis Graz und Wien die wissenschaftliche Literatur über einschlägige Studien und führten selbst auch Messungen durch. Diese Messungen ergaben, dass es bei sachgemäßer Anwendung von Mobiltelefonen zu keinen Überschreitungen der geltenden Grenzwerte bezüglich hochfrequenter Strahlung kommt, sagte Studienautor Georg Neubauer. Auch im Bereich der Basisstationen würden die Feldstärken der Strahlung "weit unter den Grenzwerten" liegen, so die Experten. Vorsicht Zu Grenzwertüberschreitungen könne es einerseits bei manchen leistungsstarken Funkgeräten - nicht zu verwechseln mit Handys - und bei funkbetriebenen Diebstahlsicherungsanlagen kommen. Hier sei besonders für Träger elektronischer Implantate - wie etwa Herzschrittmachern - Vorsicht geboten. Gesichert ist auch die Tatsache, dass sich biologische Gewebe in Gegenwart von hochfrequenter elektromagnetischer (EM)-Strahlung erwärmen. Auf diesen Effekten begründen sich auch die Grenzwerte. Die geltenden österreichischen Normen basieren hier auf den gleichen Überlegungen wie die Empfehlungen der Internationalen Kommission zum Schutz vor Nichtionisierender Strahlung (ICNIRP). Damit ist es mit den eindeutigen Ergebnissen auch schon zu Ende. Bei Sichtung und Vergleich der weltweit durchgeführten Untersuchungen über EM-Felder und deren Wirkung auf biologische Systeme orten die Studienautoren zahlreiche Mängel. Eindeutige Aussagen oder gar Beweise sind laut Neubauer nicht möglich. So glauben Wissenschafter zwar in einzelnen Studien etwa Zusammenhänge zwischen der Entstehung oder dem Wachstum von Krebs gefunden zu haben, Wiederholungsexperimente hätten dies allerdings nicht bestätigen können oder stehen noch aus. "Die vorliegenden Ergebnisse lassen es unwahrscheinlich erscheinen, dass die Exposition gegenüber hochfrequenten Feldern unterhalb der Grenzwerte zur Induktion (Verursachung, Anm.) oder Promotion (Förderung, Anm.) von Krebs führt", betonte der Experte. "Wir haben noch Wissenslücken" Ähnliches gilt für andere beobachtete Effekte der EM-Strahlung. Das Problem dabei ist allerdings, dass die Wissenschafter nicht recht wissen, wonach sie bei ihren Studien suchen sollen. Die genauen Wirkungen, wie EM-Felder in die elektrochemischen Vorgänge des Körpers eingreifen, sind bisher nur teilweise bekannt. "Wir haben noch Wissenslücken", bestätigte auch Michael Repacholi von der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Ulf Bergqvist vom National Institute for Working Life in Schweden warnte davor, die Diskussion auf zu beobachtende Wirkungen der EM-Strahlung auf Gewebe zu reduzieren. Es sei eine Tatsache, dass es mehr oder weniger empfindliche Menschen gegenüber Feldern gebe. Alleine die Angst vor derartigen Strahlungen könne zu gesundheitlichen Problemen führen, auch dies müsste ernst genommen werden.(APA)