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Foto: REUTERS/KEVIN LAMARQUE
Strahlend weiße Zähne, ein künstlich-einnehmendes Lächeln, der Scheitel wie mit dem Beil gezogen: Mit seiner perfekt bildschirmtauglichen Erscheinung kommt Tony Snow der Klischeevorstellung von einem amerikanischen TV-Kommentator nahtlos entgegen. Genau das ist - oder exakter: war - der Mann auch: Nämlich "News Anchor" bei Rupert Murdochs republikanischem Kampfsender "Fox", der nicht nur wegen seines provokativ verlogenen Sendermottos ("Fair und ausgewogen") seit Jahren ein Dorn im Auge der oppositionellen Demokraten ist.

Seit Mittwoch ist nun amtlich, was die Polit-Spatzen schon seit einer Woche von den Washingtoner Dächern pfiffen: Snow folgt dem zurückgetretenen Scott McClellan im Amt des amerikanischen Präsidentensprechers nach. Mit der Bestellung des 50-Jährigen gehen die weit reichenden personellen Umbauarbeiten im Weißen Haus in ihre nächste Phase. Bush ist, wie alle Umfragen zeigen, nicht nur bei der breiten US-Bevölkerung unten durch, sondern auch bei den Medien, die sich (mit Ausnahme von "Fox News" natürlich) vom Weißen Haus herablassend und respektlos behandelt fühlen. Da soll nun der Medien-und Kommunikationsprofi Snow Abhilfe schaffen.

Der 1955 in Kentucky Geborene begann seine Karriere als Lehrer und stolperte, wie er selbst meint, eher zufällig in den Journalismus. Einer langjährigen Tätigkeit als Journalist bei weltanschaulich rechts stehenden Blättern wie etwa der Washington Times folgte 1990 ein erster Abstecher in die Politik: Damals verdingte sich Snow für zwei Jahre als Redenschreiber für den ersten Präsidenten Bush, ehe er seine journalistische Karriere fortsetzte. Von einer Krebserkrankung im vergangenen Jahr ist Snow nach Ansicht seiner Ärzte so gut genesen, dass er sich an einen der stressigsten Jobs, der in Washington D.C. zu vergeben ist, heranwagen darf.

Bei "Fox News" kultivierte Snow - er ist verheiratet und Vater von drei Kindern - einen etwas weniger aggressiven Präsentationsstil als seine sich häufig wie Pitbulls gebärdenden Co-Moderatoren. In den letzten Monaten stimmte er fallweise in den Chor der konservativen Bush-Kritiker ein, welche beim Präsidenten den gebührenden ideologischen Eifer vermissen.

Obwohl er öffentlich befand, dass Bush "wankelmütig" und "untätig" sei und sich "unter dem Bett verkrieche", ist die Gefahr, dass sich der Präsident eine liberale Laus in den Pelz gesetzt haben könnte, gering. Solche Auslassungen Snows sind nicht mehr als kleine Einsprengsel in einem ansonsten solide konservativen Lebenswerk. Seine Ernennung zum Bush-Sprecher kommentierte er am Mittwoch mit den Worten, dass er den Job auch mache, "weil ich an den Präsidenten glaube". (Christoph Winder, DER STANDARD, Print, 27.4.2006)