Colombo - Nach der jüngsten Gewalt in Sri Lanka sind nach UN-Angaben mehr als zwanzigtausend Menschen auf der Flucht. 6.000 Familien oder rund 21.000 Menschen hätten ihre Häuser verlassen müssen, teilte das UN-Büro in der Hauptstadt Colombo am Sonntag mit. Sie seien vor den Luftangriffen der Regierung auf die Stadt Trincomalee geflohen. Bei Kämpfen zwischen rivalisierenden Rebellengruppen wurden im Osten der Insel mindestens 18 Aufständische getötet und zahlreiche weitere verletzt. Die Regierung in Colombo sagte aus Furcht vor Anschlägen alle Kundgebungen am 1. Mai ab.

Die UNO habe mit der Auslieferung von Hilfsgütern in die Region begonnen, teilte das UN-Büro weiter mit. Seit dem Ende der Attacken am Mittwoch sei es in Trincomalee zu keiner neuen Gewalt gekommen. Es sei deshalb damit zu rechnen, dass die Vertriebenen in näherer Zukunft wieder in ihren Häuser zurückkehren. Die Armee hatte am Dienstag mehrere Luftangriffe geflogen. Sie reagierte damit auf den Selbstmordanschlag auf ihr Hauptquartier in Colombo. Dabei waren insgesamt elf Menschen getötet und 30 weitere verletzt worden. Der Anschlag ging auf das Konto der Rebellenorganisation Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE).

Abgehörte Funksprüche

Nach Informationen der LTTE-nahen Internetseite Tamilnet töteten LTTE-Elitekämpfer bei dem Angriff auf eine Splittergruppe 15 Gegner und zerstörten Waffen. Ein Militärsprecher bestätigte, dass in abgehörten Funksprüchen von acht Toten auf Seiten der LTTE und zehn auf Seiten der Abtrünnigen unter V. Muralitharan alias Oberst Karuna die Rede gewesen. Die Kämpfe fanden demnach im LTTE-kontrollierten Gebiet von Welikanda im Osten statt. Laut Militärvertretern dauerte das Gefecht etwa eine Dreiviertelstunde. Das Verteidigungsministerium in Colombo wies Vorwürfe von Tamilnet zurück, wonach die Armee die angreifenden LTTE-Kämpfer aus Mörsern beschossen habe.

Aus Angst vor weiteren Selbstmordanschlägen wurden Demonstrationen zum Tag der Arbeit abgesagt. Die Regierung habe alle Parteien gebeten, auf Kundgebungen zu verzichten, sagte Planungsminister Keheliya Rambukwella. Es handele sich nicht um eine Anordnung, sondern um eine im Konsens getroffene Entscheidung.

Beim jüngsten Selbstmordattentat hatte sich am Dienstag eine Attentäterin in Colombo in die Luft gesprengt und zehn Menschen mit in den Tod gerissen. Der Armeechef Sarath Fonseka wurde bei dem Attentat schwer verletzt. Die LTTE kämpft seit 1972 für die Unabhängigkeit der Tamilengebiete im Norden und Osten Sri Lankas; 60.000 Menschen wurden seitdem getötet. Inzwischen fordert die LTTE nur noch eine umfassende Autonomie. Ihre Beteiligung an den Friedensgesprächen mit der Regierung hatte die LTTE am 20. April endgültig ausgesetzt. (APA)