Washington - Die von den USA geplante Überstellung von Häftlingen aus Guantanámo Bay in ihre Heimatländer verzögert sich. Hauptgrund dafür sei die Befürchtung, dass die Gefangenen nach ihrer Überstellung daheim misshandelt würden, berichtete die "New York Times" am Sonntag unter Berufung auf US-Regierungsbeamte.

Übereinkommen mit Regierungen

Danach waren die USA im Februar darauf vorbereitet, mehr als 150 der noch etwa 490 wegen Terrorverdachts auf dem amerikanischen Stützpunkt in Kuba festgehaltenen Männer abzuschieben, sobald entsprechende Vereinbarungen mit den jeweiligen Heimatstaaten getroffen sind. Die Verhandlungen mit den Regierungen hätten sich jedoch komplizierter gestaltet als ursprünglich erwartet.

"Das Pentagon beabsichtigt nicht, in naher Zukunft weitere Gefangene freizulassen", zitierte die Zeitung einen Sprecher des Verteidigungsministeriums. Die Gespräche mit den Heimatländern seien ein "komplexer, zeitaufwendiger und schwieriger Prozess".

Abschiebe-Gründe

Bisher haben die USA etwa 270 Guantánamo-Gefangene nach Hause geschickt, weil sie nach Pentagon-Einschätzung entweder keine langfristige Gefahr für die Sicherheit der USA darstellten, sich das Ministerium keine wichtigen Auskünfte mehr von ihnen versprach oder weil ein sicherer Gewahrsam der Häftlinge in den jeweiligen Heimatländern gewährleistet war. Die meisten der noch verbliebenen Gefangenen werden von den USA als gefährlicher eingestuft, und viele von ihnen stammen der "New York Times" zufolge aus Ländern, in denen die Menschenrechte missachtet werden.

Diplomat spricht von "Ironie"

Das Blatt zitierte einen namentlich nicht genannten nahöstlichen Diplomaten aus einem dieser Staaten mit den Worten, es sei eine Ironie, dass die US-Regierung anderen Ländern Bedingungen für eine humane Behandlung der Gefangenen stellten, die sie selbst in Guantánamo Bay und im irakischen Gefängnis Abu Ghoreib nicht praktiziert hätten. Der Diplomat bezog sich dabei unter anderem auf die schweren Häftlingsmisshandlungen durch US-Soldaten in dem berüchtigten Gefängnis bei Bagdad. (APA/dpa)