Wien - Anfang Juli werden die Flugtickets in Frankreich teurer: Innereuropäische Flüge sollen dann um einen Euro mehr kosten, auch für Langstreckenflüge muss mehr berappt werden.

Die Preiserhöhungen dienen der Entwicklungspolitik: Mit der Abgabe will Frankreich den Kampf gegen die Infektionskrankheiten, allen voran HIV/Aids, ankurbeln. 250 Millionen Euro erwartet sich die Regierung von der Maßnahme jedes Jahr. Auch Chile will ab Juli eine solche Flugsteuer erheben. Auf ungeteilte Zustimmung trifft die Maßnahme nicht: Die Antiglobalisierungsplattform Attac etwa lehnt die Flugsteuer als unzureichende Hilfe ab. Auch für Gottfried Mernyi vom Österreichisches Aktionsbündnis gegen Aids steht fest: Die Politik muss im Kampf gegen HIV weit mehr als bisher tun.

Wissenschaft tut, Politik lässt aus

Die Wissenschaft habe eine Reihe von Ansätzen für die Prävention und die Behandlung der Krankheit entwickelt. "Aber der politische Wille fehlt", sagt Mernyi. Ab heute, Mittwoch, wird im Wiener Kardinal König Haus zwei Tage lang darüber diskutiert, wie HIV/Aids erfolgreich bekämpft werden kann. Mit einer Podiumsdiskussion am Abend beginnt die vom Österreichischen Aktionsbündnis gegen Aids veranstaltete internationale Konferenz.

Die Frage der Patentrechte, durch die Entwicklungsländern oft die Möglichkeit genommen wird, teure Medikamente günstig nachzuproduzieren, steht ebenso auf dem Programm, wie neue Aids-Therapien. Für Aufsehen sorgte etwa eine Aids-Konferenz Ende April in Süd-Afrika. In den kommenden vier Jahren soll ein Anti-Aids-Gel auf den Markt gebracht werden, hieß es bei der Tagung. Das antivirale Gel soll HIV-Viren beim Sexualverkehr abtöten. Das Mittel könnte vor allem jene schützen, die keine Kondome verwenden, hoffen die Wissenschafter. Freilich: Pharmafirmen haben bisher nur wenig Interesse an dem Gel bekundet. (szi/D ER S TANDARD , Print-Ausgabe, 3.5. 2006)