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Przewalski-Pferde sind die letzten heute noch lebenden echten Wildpferde - und auch sie wären um ein Haar ausgestorben

Foto: APA/EPA
Statistik spielt in der Archäologie und Paläontologie oft eine entscheidende Rolle. Eine statistische Analyse von Fossilien kann zum Beispiel - vereinfacht gesagt - ergeben, dass die jüngsten tatsächlich gemachten Funde aus einer Fossiliengruppe nicht die jüngsten bleiben werden, sondern dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit welche mit geringerem Alter gibt ... die bloß noch nicht ausgegraben wurden. Und das wiederum kann unser Bild urgeschichtlicher Ereignisse entscheidend ändern.

Ein Beispiel dafür ist das Aussterben der nordamerikanischen Wildpferde im heutigen Alaska - der Region also, in der nach bisherigem Wissen die ersten Menschen aus Asien den amerikanischen Doppelkontinent vor etwa 12.000 Jahren erreichten. In dieser Zeit, dem ausgehenden Pleistozän, verschwand ein Großteil der nordamerikanischen Megafauna - von Mammuts über Kamele bis hin zu Riesenfaultieren; ein großmaßstäblicher Klimawandel mit dem Ende der vorerst letzten Eiszeit und/oder Überjagung durch eingewanderte Menschen sind die beiden gängigsten Hypothesen für die Ursache des massenhaften Aussterbens.

Das Schicksal der Pferde

Wenigstens was die einheimischen Urpferde anbelangt, schien der Mensch eine weiße Weste zu haben: Radiokarbon-Datierung der jüngsten Pferde-Fossilien schrieb diesen ein Alter von ca 12.500 Jahren zu - die Urpferde schienen also schon ein halbes Jahrtausend, bevor die ersten Menschen eintrafen, ausgestorben zu sein. Die oben beschriebene statistische Analyse führt laut Andrew Solow von der Woods Hole Oceanographic Institution jedoch zu einem anderen Schluss, wie der "New Scientist" berichtet. Ihmzufolge weisen die Daten der untersuchten Samples darauf hin, dass Paläontologen noch jüngere Fossilienfunde machen werden - bis zu einem Zeitraum vor etwa 11.700 Jahren. Nach der Ankunft der ersten Einwanderer in Nordamerika also, was den Menschen wieder zur möglichen Ursache des Spezies-Todes macht.

Pferde sind eine sehr alte Säugetier-Familie - und zugleich eine, deren Evolution mit am besten dokumentiert ist. Ihre Entwicklung begann vor 55 Millionen Jahren aus fuchsgroßen Waldbewohnern und setzte sich in den folgenden Jahrmillionen auf dem nordamerikanischen Kontinent ungebrochen fort; einige Entwicklungslinien wanderten auch in die Alte Welt ein. In Nordamerika starben die Pferde erst zu jenem kritischen Zeitpunkt am Ende der Eiszeit aus; von Menschen mitgebrachte domestizierte und später verwilderte Altweltpferde begannen dann ab dem 16. Jahrhundert unserer Zeitrechnung wieder die Heimat ihrer Ahnen zu besiedeln. (red)