Linz - Alles andere als "Frisch, fromm, fröhlich, frei" läuft derzeit eine Debatte über eine mögliche Wiederaufnahme von Subventionen für die oberösterreichische Landesgruppe des Österreichischen Turnbundes (ÖTB).

Im Juni 2005 wurden durch ein Nein der Grünen erstmals die ÖTB-Landesmittel in der Höhe von mehreren zehntausend Euro eingefroren. Man berief sich vor allem darauf, dass das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) den Turnerverband nach wie vor im "Vorfeld des Rechtsextremismus" ansiedelt.

Grüne Umfaller

Innerparteilich einigten sich die Grünen bei einem erweiterten Landesvorstand darauf, Fördergelder erst dann wieder fließen zu lassen, wenn der ÖTB "unter wissenschaftlicher Begleitung zu einer deutlichen Distanzierung von neonazistischem und rassistischem Gedankengut bereit ist".

Jetzt regt sich aber der Unmut in der grünen Basis. Vermutet wird ein Alleingang der grünen Landesregierungsspitze unter Umweltlandesrat Rudi Anschober. "Der Beschluss war eigentlich klar: weitere Gespräche, sicher keine Gelder. Jetzt verdichten sich aber die Indizien, dass unsere Regierungsmannschaft der ÖVP zu Liebe umfällt und vorzeitig Förderungen locker macht", kritisiert die grüne Gemein- derätin Gülcan Gigl im STANDARD-Gespräch. Ähnliche Unmutsäußerungen kommen derzeit auch von anderen grünen Organisation.

Für den Klubobmann der oberösterreichischen Grünen, Gunther Trübswasser, ist dies "alles erfunden und erlogen". Die Forderungen an den ÖTB, einen klaren Trennstrich zu seiner Vergangenheit zu ziehen und einen Neubeginn durch konkrete Maßnahmen zu untermauern, seien nach wie vor aufrecht, so Trübswasser.

Auch der grüne Landesparteiobmann Rudi Anschober wehrt sich gegen einen Alleingang: "Es gibt keine Zustimmung. Und zwar so lange nicht, bis es zu einer glaubwürdigen Veränderung im ÖTB kommt."

In den Kreisen der Turner ist man da aber deutlich optimistischer: "Die Gespräche laufen sehr gut, und wir gehen davon aus, dass das Geld bald fließen wird", sagte ÖTB-Landesobmann Dieter Brandenburg zum STANDARD. Vom baldigen Geldfluss überzeugt ist auch Robert Eiter, Vorsitzender der Welser Initiative gegen Faschismus. "Es gibt Hinweise, dass alles auf der Zielgeraden ist", so Eiter. Besorgt zeigte sich in einem offenen Brief am Mittwoch auch das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ): "...die bekannt gewordene Absicht der Grünen Oberösterreich erfüllt uns mit großer Sorge. Die Grünen haben zu den Erfolgen der antifaschistischen Bewegung vieles beigetragen. Wir wären entsetzt, wenn sie ihr jetzt aus unerklärlichen Gründen in den Rücken fallen..." (DER STANDARD, Printausgabe, 4.5.2006)