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EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte die Erwartungen auf Juni gelenkt.

Foto: Reuters/Bader
Frankfurt - Im Kampf gegen die wachsende Inflation im Euroraum steuert die Europäische Zentralbank (EZB) auf eine Zinserhöhung im Juni zu. "Die Risiken für die Preisstabilität haben wegen der gestiegenen Ölpreise zugenommen", sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag in Frankfurt. "Auch die Wirtschaft wächst schneller als früher."

Im Juni lägen neue Prognosen über die Konjunkturerholung vor, die voraussichtlich eine Anhebung der Zinsen nahe legten. Trichet betonte mehrfach die "besondere Wachsamkeit" der Notenbank im Hinblick auf stabile Preise. Dies gilt an den Finanzmärkten als deutliches Signal für eine anstehende Zinsanhebung. Am Donnerstag ließ die EZB die Zinsen unverändert bei 2,50 Prozent.

Kleiner Zinsschritt

Ob die Währungshüter auf ihrer Sitzung am 8. Juni in Madrid wie bisher nur einen kleinen Zinsschritt von 25 Basispunkten machen, oder die Zinsen um 50 Punkte anheben, ließ Trichet offen. Es wäre die dritte Zinserhöhung seit Dezember 2005. Seitdem hat die Notenbank alle drei Monate die Zinsschraube angezogen und das historisch niedrige Zinsniveau von 2,0 Prozent verlassen. Für die Verbraucher verteuern sich damit Kredite, während Sparguthaben höher verzinst werden.

"Wir legen uns nicht im Vorhinein fest, sondern wir werden die Datenlage prüfen", sagte Trichet, der gleichzeitig weitere Erhöhungen andeutete. Eine Zielmarke nannte der Präsident nicht. Ökonomen gehen davon aus, dass die Zinsen auf 3,0 bis 3,5 Prozent im nächsten Jahr klettern werden.

Nach Einschätzung der Notenbank wird die Wirtschaft in den zwölf Ländern des Euro-Raumes stärker zulegen als in den Vorjahren. "Es gibt gute Gründe, dass Deutschland und der gesamte Euro-Raum sich langsam aber sicher dynamischer entwickeln werden", sagte der Präsident. Wenn sich dieses Szenario abzeichne, werde die EZB "die Luft aus der Geldpolitik herausnehmen".

Größtes Risiko Ölpreis

Das größte Risiko für den Aufschwung sind nach Trichets Worten die Rekordölpreise sowie überhöhte Lohnabschlüsse bei den Tarifverhandlungen. Trichet kritisierte auch die globalen Ungleichgewichte, das heißt das hohe Leistungsbilanzdefizit der USA. "Alle Partner müssen ihre Hausaufgaben machen", ermahnte Trichet die USA.

Eine Gefahr für die Preisstabilität gehe auch von der stark wachsenden Kredit- und Geldmenge aus. Wegen der Rekordölpreise hat sich die Inflationsrate in der Euro-Zone im April auf 2,4 Prozent beschleunigt nach 2,2 Prozent im März. Die EZB sieht die Preisstabilität nur bei Teuerungsraten knapp unter zwei Prozent gewährleistet. Die geplante Mehrwertsteuererhöhung in der größten europäischen Volkswirtschaft Deutschland Anfang 2007 könnte die Inflation weiter anheizen. (APA)