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Grafik: APA/Unaids
Wien – In einem Punkt waren sich alle einig: Die Geschichte der HIV/Aids-Pandemie ist auch eine Erfolgsgeschichte, hieß es bei der Auftaktdebatte der Aids-Konferenz im Wiener Kardinal-König-Haus am Mittwoch.

"Ganz Polen" infiziert

Aids wird seit Langem nicht mehr als Schwulenkrankheit gesehen, es gibt Präventionsmittel (Kondome), Medikamente (Kombinationstherapie). Alles in allem gibt es also viel zu feiern, sagte etwa Kevin Osborne von der International Planned Parenthood Federation (IPPF), einer in Bombay gegründeten NGO. Dennoch leben heute rund 40 Millionen Menschen – das wäre in etwa ganz Polen – mit dem HI-Virus, 2004 starben 3,1 Millionen Menschen an der Krankheit. "Der politische Wille fehlt", sagt Osborne, nur darum sei HIV trotz all der Erfolgsmeldungen nicht besiegt worden.

Es mangelt am Geld

Internationale Experten suchten deshalb bei der zweitägigen, vom österreichischen Aktionsbündnis gegen Aids organisierten Tagung nach den richtigen Rezepten im Kampf gegen HIV. Auch‑ 25 Jahre nach der Entdeckung des Virus fehlt den Gesundheitsorganisationen vor allem Geld: Zwar werden 2006 rund 4,7 Milliarden Euro für die Aidsbekämpfung ausgegeben, sagte Henning Mikkelsen von UNAIDS. Benötigt werden aber laut Mikkelsen sechs Milliarden Euro zusätzlich. Vor allem in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion breite sich die Pandemie daher ungehindert aus, sagt Mikkelsen.

Kondome reichen für drei Mal Sex im Jahr

Justine Lungu, SOS-Kinderdorf-Koordinator für das südliche Afrika, kritisierte bei der von Erhard Stackl, Chef vom Dienst beim STANDARD, moderierten Debatte, dass Sex in Afrika nach wie zu den Tabuthemen zähle. Kondome seien in den meisten betroffenen Gebieten Mangelware. Geht es nach der Anzahl der verteilten Präservative, könnten die afrikanischen Männer nur rund dreimal im Jahr Sex haben, wollten sie dabei immer ein Kondom verwenden, schätzt Osborne.

Osborne kritisierte in diesem Zusammenhang auch die US-Entwicklungspolitik, die im Kampf gegen Aids nach wie vor auf Abstinenzprogramme setzen würden. Vorsichtiges Lob erntete dagegen der Vatikan, aus dem erste Anzeichen kamen, den Gebrauch von Kondomen zumindest bei verheirateten Aidskranken zu erlauben. (András Szigetvari, DER STANDARD Printausgabe, 05.05.2006)