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Für Hofmann war 1860 keine Reise wert.

Foto: Getty/Bongarts
München - Die Rettung auf dem Rasen war kaum vollbracht, da wollte der deutsche Fußball-Zweitligist TSV 1860 München seine Horrorsaison nur noch hinter sich lassen. Direkt nach dem Happy End im Abstiegskampf forderte Vereinschef Alfred Lehner von der sportlichen Leitung mit Manager Stefan Reuter und Trainer Walter Schachner den Neuanfang.

"Mit dieser Mannschaft kommt man nicht weiter"

"Wir müssen ausmisten. Mit dieser Mannschaft kommt man nicht weiter", sagte Lehner nach dem erlösenden 1:0-Heimsieg am Sonntag gegen den 1. FC Saarbrücken. Als Aufstiegskandidat waren die "Löwen" in die Saison gestartet, aber nach einem rasanten Absturz vom ersten Tabellenplatz Ende November gelang erst in der vorletzten Runde der Klassenerhalt, um den der Pacult-Klub Dynamo Dresden noch bangen muss. Drei Punkte fehlen den Sachsen auf den rettenden 14. Platz vor der Abschlussrunde.

Nach der sportlichen Rettung ist bei Sechzigern aber zunächst Geschäftsführer Stefan Ziffzer am Zug. Trotz der Finanzspritze des Lokalrivalen FC Bayern, der mit der Übernahme der 1860-Anteile an der Allianz Arena die "Löwen" vor der Insolvenz bewahrt hatte, ist die Lizenz für die kommende Saison noch nicht endgültig gesichert. "Uns fehlt noch eine Million", sagte Ziffzer. Bis zum 31. Mai bleibt den Münchnern Zeit, um bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) das noch fehlende Geld nachzuweisen. Die Chance dafür bezifferte der Geschäftsführer auf "70:30".

Verkauf von "Leistungsträgern"

Parallel zum finanziellen Kraftakt sollen in dieser Woche die Gespräche mit den Spielern beginnen. Zwar gilt die Mehrzahl der teilweise hoch dotierten Verträge der "Löwen"-Profis auch für die neue Saison. Die Münchner erwägen jedoch den Verkauf einiger Leistungsträger, um den Etat zu entlasten und sich durch die Ablösesummen weiter zu sanieren.

Als mögliche Abgänge werden neben Torwart Timo Ochs auch die Hoffnungsträger Matthias Lehmann und Patrick Milchraum gehandelt. Mittelfeldspieler Remo Meyer ließ bereits Abschiedsgedanken erkennen. "Ich hatte hier in München vier schöne und turbulente Jahre", sagte der Schweizer am Sonntag.

Ob Steffen Hofmann, der im Winter von Rapid zu 1860 gewechselt war, auch in der kommenden Saison für die "Löwen" spielt, ist noch offen. "Im Moment weiß ich noch nicht, wie es weitergeht", sagte der Mittelfeldspieler, für den eine Rückkehr zu Rapid nicht ausgeschlossen ist. "Das muss man sich alles anschauen."

Profis müssen mitspielen

Den von Vereinschef Lehner geforderten großen Schnitt können Manager Reuter und Coach Schachner jedoch nur bewerkstelligen, wenn die Profis mitspielen und finanziellen Einbußen oder einer Trennung zustimmen. "Es hängt nicht von uns ab. Wir müssen die Spieler fragen, ob sie bleiben wollen", betonte Schachner.

Lehner setzt das Duo Reuter/Schachner, das seit Jahresbeginn die Fäden in der Hand hält und die dramatische Talfahrt nur mühsam stoppen konnte, unter Handlungsdruck. "Wir wollen wieder weit kommen. Das erste Ziel muss sein, dass wir wieder eine Mannschaft formen, die als solche auftritt und auch so zusammenhält", forderte Lehner.

Dem Manager und seinem "Wunschtrainer" dürfte also keine Zeit bleiben, die Nervenbelastung der vergangenen Wochen in Ruhe zu verarbeiten. "Was ich hier in viereinhalb Monaten erlebt habe, dass erlebt mancher in seiner ganzen Trainerkarriere nicht", meinte Schachner.(APA)