Wien - Die Emotionen in Nordlondon gehen weiter hoch, nachdem die Tottenham Hotspurs am vergangenen Sonntag in der letzten Runde der Premier League bei West Ham 1:2 unterlagen und damit im Kampf um Platz vier Arsenal an sich vorbeiziehen sahen.

Zehn Spieler der Mannschaft waren mit schwerer Übelkeit darniedergelegen, nachdem man am Spieltag in einem noblen Fünfstern-Hotel an der Canary Wharf diniert hatte. Angeblich war eine verdorbene Lasagne der Spiel(er)verderber, der die Vergiftungserscheinungen hervorgerufen hatte.

Als dann auch noch Gerüchte auftauchten der Koch sei Arsenal-Anhänger, waren alle Zutaten für Konspirationstheorien beisammen. Denn ausgerechnet der Erzrivale profitierte von der Schwäche Tottenhams und sprang auf den zur Champions-League-Qualifikation berechtigenden Platz. Große Aufregung in Internet-Fanforen und Fotomontagen von Arsène Wenger mit Kochmütze waren die Folge.

Die Liga hatte das Ansuchen Tottenhams auf eine Verschiebung der entscheidenden Partie um 24 Stunden abgelehnt, nicht zuletzt aus Sicherheitserwägungen. Noch am Montag versuchte Spurs-Präsident Daniel Levy seine Kollegen zu überreden, einer Wiederholung des Matches zuzustimmen. Die Aussichten sind jedoch gleich null. Ein Ligasprecher meinte lapidar: "Das Resultat steht."

Gesundheitsexperten bezweifeln die Lasagne-Theorie nunmehr aber überhaupt. Die Symptome der Spieler passen nämlich auch auf eine simple virale Mageninfektion, gemeinhin auch bekannt unter dem prosaischen Namen "Winterkotzkrankheit" (winter vomiting disease). Diese befällt jährlich hunderttausende Engländer und ist die am weitesten verbreitete Infektion des Magen- und Darmbereichs.

Das Malheur kommt Tottenham jedenfalls teuer zu stehen. Experten schätzen den Einnahme-Ausfall durch die Nichtteilnahme an der CL auf bis zu 14 Millionen Pfund. Neben den Antritts- und möglichen Punkteprämien gehen Fernseh-Gelder flöten und auch erhoffte Zusatzeinnahmen im Merchandising-Bereich müssen in den Wind geschrieben werden.

Eine endgültige Klärung der unappetitlichen Angelegenheit könnten die Ergebnisse von Blut- und Urintests der betroffenen Spieler bringen, die bisher aber noch nicht vorliegen. Sollte es tatsächlich Probleme mit dem Menü gegeben haben, behält sich der Verein eine Schadenersatz-Klage gegen das Hotel vor. Dessen Manager versicherte, dass außer den Fußballern keine anderen Gäste Schaden genommen hätten. Zwei mutige Reporter des "Guardian", die sich daraufhin zu einem Testessen wagten (--> "I'd like the lasagne, please" ), konnten ebenfalls keine negativen Effekte auf ihr Wohlbefinden feststellen. Bis zur Drucklegung des Blattes jedenfalls... (rob)