Wien - Die Veranstaltung des Bundesrats im Rahmen des Gedenktags gegen Gewalt und Rassismus ging am Mittwoch im Budgetsaal des Parlaments über die Bühne. "Wir gedenken der Opfer von gestern und heute", so Bundesratspräsidentin Sissy Roth-Halvax (V) in ihrer Eröffnungsrede. Die Veranstaltung entspringe dem "gemeinsamen Bewusstsein der Verantwortung, grausame Unterdrückung, Gewalt und Terror, in welcher Form und wo auch immer sie auftritt, aufzuzeigen und zu bekämpfen".

Die Aufgabe der Politiker sei es, aus der Geschichte die richtigen Schlüsse zu ziehen. "Wir haben die Geschichte nicht erst zu definieren, wir nehmen zur Kenntnis: Der Nationalsozialismus ist eine Geschichte monumentaler Verbrechen gegen Menschenwürde und Menschenrecht, die sich niemals mehr wiederholen dürfen", so Roth-Halvax. Dass es während der NS-Diktatur auch "tausende Täter in unserem Land" gab, ist seit den klaren Worten von Bundeskanzler Franz Vranitzky (S) sowie der Bundespräsidenten Thomas Klestil und Heinz Fischer für die Bundesratspräsidentin "unbestritten".

So "unbestritten" wie die "Tatsache", dass die Republik Österreich 1938 gewaltsam ausgelöscht wurde, und daher "nicht für die Untaten des NS-Regimes verantwortlich gemacht werden kann". "Spät aber doch" sei in das nationale Bewusstsein eingedrungen, dass völkerrechtliche Schuldlosigkeit nicht von der moralischen Mitschuld vieler Österreicher ablenken dürfe, so die Präsidentin weiter. Bereits von 1945 an habe der österreichischen Staat entsprechende Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung unterstützt, wenn auch allzu lange "halbherzig, zögerlich und bürokratisch gedrosselt".

Unter diese "Ära der Halbherzigkeit" sei mit der Gründung des Österreichischen Nationalfonds 1995 und der Gründung des Österreichischen Versöhnungsfonds "endgültig ein Schlussstrich" gezogen worden, so die ÖVP-Bundesrätin. Aber nicht nur der ermordeten Juden, Regimegegner und Minderheiten sollte mit der Veranstaltung gedacht werden, sondern auch der hunderttausenden Gefallenen und Bombenopfer eines "verbrecherischen Krieges" sowie der daraus resultierenden zahlreichen Vertriebenen.

Aber nicht nur in der Hitler-Diktatur, sondern auch in der Stalin-Diktatur, in Kambodscha, in Uganda oder zuletzt in Jugoslawien seien "Menschen zu Opfer, zu Täter und zu opportunistischen Mitläufern geworden". Der Hinweis auf andere "monströse Menschenrechtsverletzungen" sei "kein Versuch der Verharmlosung". Opfer dürften "natürlich nicht gegeneinander aufgerechnet" werden, aber "Verbrechen der einen dürfen nicht durch Verbrechen der anderen zugedeckt werden", so Roth-Halvax in ihrer Begrüßungsrede.

Hochrangige Politiker wie Bundespräsident Heinz Fischer, die Fraktionsvorsitzenden des Bundesrats, die Präsidenten von Rechnungshof und des Obersten Gerichtshofes sowie zahlreiche ehemalige und aktive Bundesräte und Nationalräte wohnten der Gedenkveranstaltung bei. Ebenso geladen waren Vertreter von Opferverbänden und Kirchen.

Musikalisch ausgetragen wurde die Veranstaltung vom Haydn-Trio Eisenstadt und der Sopranistin Judith Kopecky. Schauspieler Frank Hoffmann las Auszüge aus dem Buch "Die Akte Wiesenthal" von Alan Lewy. Kammerschauspielerin Elisabeth Orth trug Teile aus "Ein Brief nach Wollongong" von Jaroslava Moserova vor. Darin schildert die ehemaligen Vizepräsidentin des tschechischen Senats ihre Erinnerungen an die kommunistische Tschechoslowakei. (APA)