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Ergebnisse aus einer neuen Studie zeigen, dass Gewalt gegen Frauen in Österreich offenkundig ein weit verbreitetes Phänomen ist.
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Verhängungen von Betretungsverboten und Wegweisungen 1997-2005
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Wien - Gewalt gegen Frauen ist immer noch ein "relativ weit verbreitetes Phänomen", das in der Öffentlichkeit bagatellisiert wird. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Karmasin-Motivforschung, die am Donnerstag von der Wiener Motivforscherin Sophie Karmasin in Wien präsentiert wurde. Ziel der Studie soll nicht zuletzt sein, das Thema wieder ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Erschreckende Ergebnisse

Viele Befragten hätten ständige körperliche Gewalt, Vergewaltigung in der Ehe, Zwang zum Sex oder eine einmalig verübte körperliche Gewalttat nicht als "häusliche Gewalt" definiert. Fast ein Drittel habe die Schuld dafür bei den Frauen gesehen, weil sie die "ehelichen Pflichten" verletzten, heißt es in der Untersuchung. Über die Hälfte der Befragten waren Frauen.

Hohe Dunkelziffer

Wie viele Frauen in Österreich unter Gewalt leiden, kann auf Grund der hohen Dunkelziffer schwer fest gestellt werden. Laut Studie hätten mehr als die Hälfte der Befragten diese Form der Gewalt bereits zumindest teilweise beobachtet. Rund 20 Prozent betrachten laut Studie eine Vergewaltigung als "gerade noch nicht häusliche Gewalt". Eine Ohrfeige oder Kratzen zähle auch nicht dazu.

Mehr Zulauf

Seit in Kraft treten des Wegweiserechts 1997 hat die Polizei in Österreich mehr als 29.000 gewalttätige Personen aus Wohnungen gewiesen. Laut der "Informationsstelle gegen Gewalt" haben vergangenes Jahr rund 3.300 Frauen und Kinder Schutz in Frauenhäuser gefunden. Das sind um rund 500 Frauen mehr als das Jahr zuvor. Die Zuflucht in Frauenhäusern anderer Bundesländer sei nach wie vor kaum möglich.

Aufklärungsarbeit gefordert

Die überparteiliche Fraueninitiative "Klub für Frauen" forderte anlässlich der Präsentation "kein Wegschauen und kein Verharmlosen": "Es ist schockierend, wie viele Frauen von Gewalt direkt betroffen sind und wie wenig Problembewusstsein es stellenweise gibt", kommentiert Gabi Spiegelfeld vom Klub für Frauen die Ergebnisse der Studie. "Wir brauchen dringend mehr Informations- und Aufklärungsarbeit zu diesem Thema."

Opferschutzeinrichtungen ausbauen

Eine besondere Rolle müsse dabei den Opferschutzeinrichtungen zukommen, die - geht es nach dem Klub für Frauen - deutlich gestärkt und ausgebaut werden müssen. Brigid Weinzinger, Grüne Frauensprecherin und ebenfalls Mitglied des Klub für Frauen: "Für einen besseren Schutz von Frauen vor Gewalt brauchen wir eine gute Zusammenarbeit zwischen Opferschutzeinrichtungen und Behörden, umfassende Schulungsmaßnahmen für Exekutive und Justiz und schließlich Verbesserungen im Rechtssystem, z.B. beim Ausbau von Opferrechten im Gerichtsverfahren."

Opferschutzeinrichtungen und Beratungsstellen seien noch immer viel zu wenig bekannt, hob auch Karmasin hervor. Insgesamt seien auch zu wenige solcher Angebote vorhanden. Viel zu viele Menschen wüssten auch nicht, wohin sie sich wenden können, wenn sie Zeuge/Zeugin von Gewalt gegen Frauen werden. (APA/red)