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Foto: AP/Kamerer
Frankfurt - Die Europäische Zentralbank (EZB) ist besorgt über die wachsende Inflationsgefahr im Euro-Raum und hat im neuesten Monatsbericht ihre Bereitschaft zu einer baldigen Zinserhöhung bekräftigt. Es gebe nach wie vor Aufwärtsrisiken für die Preisstabilität im Euro-Raum.

"Vor diesem Hintergrund wird der EZB-Rat große Wachsamkeit walten lassen, um zu gewährleisten, dass die Risiken für die Preisstabilität auf mittlere Sicht nicht eintreten", heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht Mai.

Risiken für die Preisstabilität

Die Wachsamkeit sei vor allem wegen der reichlichen Ausstattung der Wirtschaft mit Geld und der noch immer sehr niedrigen Zinsen geboten. Risiken für die Preisstabilität gingen auch vom hohen Ölpreis, Steuererhöhungen und einem Lohnwachstum aus, das künftig stärker ausfallen könnte als bisher.

Mit der Formulierung "große Wachsamkeit" gab EZB-Präsident Jean-Claude Trichet vor einer Woche bereits das Signal, dass die Zentralbank bei ihrer nächsten Sitzung am 8. Juni in Madrid zum dritten Mal den Leitzins von derzeit 2,5 Prozent anheben wird. Mit dieser Wortwahl hatten die Währungshüter bereits vor den beiden vorangegangenen Zinserhöhungen im Dezember und März ihre Absicht bekundet.

Am Finanzmarkt wird nur noch gerätselt, ob die Zentralbank es wie bei den letzten beiden Zinsschritten bei 25 Basispunkten belässt, oder ob sie sich zu einem größeren Schritt um 50 Basispunkte entschließt.

Gute Voraussetzungen für anhaltendes Wirtschaftswachstum

Trotz hoher Ölpreise sieht die EZB gute Voraussetzungen für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone. Die jüngsten Daten wiesen auf ein anhaltendes Wachstum im zweiten Quartal hin und stützten das Szenario einer allmählichen Ausweitung der Wirtschaftstätigkeit, schreiben die Währungshüter in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht. "Für die kommenden Quartale sind die Voraussetzungen für ein anhaltendes Wachstum unverändert gegeben", heißt es. Bereits im ersten Quartal habe die Konjunktur "an Fahrt gewonnen".

Als Gründe für die positive Entwicklung nannte die EZB die steigende Investitionsbereitschaft der Unternehmen, die Erholung des Konsums und eine dynamische Entwicklung der Weltwirtschaft. Die Investitionstätigkeit profitiere von einer längeren Phase sehr günstiger Finanzierungsbedingungen sowie von Ertrags- und Effizienzsteigerungen der Unternehmen. "Das Konsumwachstum sollte im Einklang mit der Entwicklung des real verfügbaren Einkommens vor dem Hintergrund einer sich weiterhin verbessernden Lage am Arbeitsmarkt ebenfalls zunehmen", erwarten die Währungshüter.

Die EZB bekräftigte ihre "große Wachsamkeit" im Hinblick auf stabile Preise. Damit deutete sie erneut eine Zinserhöhung im Juni an. Einige Risiken für die Preisstabilität "scheinen sich angesichts des erneuten Anstiegs der Ölpreise verstärkt zu haben." Wegen der Preisrisiken und der Anzeichen für eine Konjunkturerholung rechnen Beobachter fest mit einer Zinserhöhung im Juni. Ungewiss ist, ob die EZB ihren Leitzins um 0,25 oder gleich um 0,50 Prozentpunkte erhöht. Nach zwei kleinen Zinsschritten nach oben um jeweils 0,25 Punkte im Dezember und im März liegt der Leitzins derzeit bei 2,50 Prozent. (APA)