Genf - Der Internationale Strafgerichtshof sollte nach Ansicht der UN-Menschenrechtskommissarin Louise Arbour zügig gegen die Verantwortlichen für Gräueltaten in Darfur vorgehen. Es gebe Beweise, dass während der Kämpfe in der westsudanesischen Region Morde, Vergewaltigungen und andere Schandtaten an der Tagesordnung gewesen seien. Es gebe bislang jedoch keinerlei Anzeichen, dass Personen in hohen Ämtern dafür zur Rechenschaft gezogen würden, erklärte Arbour am Donnerstag nach ihrer Rückkehr aus dem Sudan in Genf.

Verbrechen im Ausmaß eines Völkermordes

Der Weltsicherheitsrat habe dem Internationalen Strafgerichtshof ein Mandat erteilt, die Täter zur Strecke zu bringen, sagte die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte. Im Sudan selbst werde diesbezüglich offenbar gar nichts unternommen. Es gehe hier um Verbrechen eines Ausmaßes, das schon häufig als Völkermord bezeichnet worden sei, erklärte Arbour. Auf jeden Fall aber handele es sich um Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Deshalb müsse das UN-Gericht entschlossener als bisher handeln, um sein Mandat zu erfüllen.

Die seit gut drei Jahren andauernde Gewalt in Darfur hat mindestens 180.000 Menschen das Leben gekostet und zwei Millionen in die Flucht getrieben. In der vergangenen Woche hat die größte schwarzafrikanische Rebellenorganisation der Region, die Sudanesische Befreiungsbewegung (SLM), mit der Regierung in Khartum ein Friedensabkommen geschlossen. Kleinere Rebellengruppen lehnten die Vereinbarung allerdings ab. Sie werfen der Regierung Komplizenschaft mit arabischen Reitermilizen vor, die die afrikanische Bevölkerung seit Jahren tyrannisieren. (APA/AP)