Wien - Knapp zweieinhalb Monate vor dem Ende seiner fünfjährigen Amtszeit hat der peruanische Präsident Alejandro Toledo am Wochenende die Hoffnung geäußert, dass sein Nachfolger auf den Ergebnissen seiner Amtsführung aufbauen wird, und vor Populismus gewarnt. "Das Land und die Region können es sich nicht leisten, mit Populismus um 70 Jahre zurückzugehen, denn die Armen können sich das nicht leisten", betonte der 60-Jährige in einem Gespräch mit österreichischen Journalisten am Rande des EU-Lateinamerika-Karibik-Gipfels (EULAC).

Darüber, ob der nationalistische Ex-Militär Ollanta Humala oder der gemäßigte Ex-Präsident Alan Garcia, der während seiner ersten Amtszeit (1985-90) die Rückzahlung der Auslandsschulden gestoppt und damit die Wirtschaft des Landes ruiniert hatte, bei der Stichwahl um das Präsidentenamt am 4. Juni das Rennen machen würde, wollte Toledo keine Vorhersage treffen, denn er trage Verantwortung für die Abhaltung eines "transparenten, sauberen und unabhängigen" Urnengangs. Toledo betonte jedoch, dass er als Präsident "tiefe demokratische Überzeugungen" habe. Wer auch immer demokratisch gewählt werde, dem werde er die Macht überlassen. Das gelte auch für Humala.

Streit

Kritiker Humalas befürchten einen autoritären Regierungsstil, falls der dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez nahe stehende Ex-Militär gewählt werden sollte. Wegen der offenen Parteinahme Chavez' für Humala entbrannte vor wenigen Wochen ein Streit zwischen Peru und Venezuela. Die beiden Länder riefen schließlich ihre jeweiligen Botschafter zurück. Toledo warf Chavez vor, sich in die inneren Angelegenheiten Perus einzumischen.

Auf Fragen, ob Peru unter einem Präsidenten Humala den eingeschlagenen Weg im Verhältnis zur EU und zu den USA weitergehen würde, wollte Toledo keine Einschätzung abgeben. Beim EULAC-Gipfel war die Einleitung eines Prozesses vereinbart worden, der zur Aushandlung eines Assoziierungsabkommens zwischen der EU und der Andengemeinschaft (Peru, Bolivien, Ecuador und Kolumbien) führen soll. Mit Washington hat Lima bilaterale Freihandelsverträge vereinbart. Venezuela war nach der Unterzeichnung von Abkommen mit den USA durch mehrere CAN-Mitglieder aus der Andengemeinschaft ausgetreten.

Zu seinem Verhältnis zu Chavez selbst äußerte sich Toledo zurückhaltend. "Ich respektiere das venezolanische Volk. Sie haben sich für Präsident Hugo Chavez entschieden, er ist gewählt worden, und ich respektiere das. Es wird die Entscheidung der Venezolaner sein, zu bestimmen, ob sie ihn wieder wählen. Das ist Demokratie." Wenn er "demokratisch" nach Peru komme, werde er Chavez auf einen "Pisco Sour" (peruanischer Cocktail) einladen, fügte Toledo auf eine entsprechende Frage hinzu.

Der Präsident Boliviens, das kürzlich ebenfalls auf Distanz zur Andengemeinschaft gegangen war, habe ihm gesagt, dass er für ihn wie ein älterer Bruder sei, meinte Toledo zu seiner persönlichen Beziehung zu Evo Morales. "Er hat mich gebeten, ihm Rat zu geben, solange ich noch Präsident bin und wenn ich kein Präsident mehr bin." Die Integration der Andengemeinschaft, Lateinamerikas und der Karibik sei viel wichtiger als die Meinungsverschiedenheiten der Präsidenten. Dieses Konzept sei "viel tiefer und stärker als die Präsidentschaften, die vergänglich sind".

Toledo verwies in diesem Zusammenhang auch auf das europäische Integrationsprojekt. "Die Europäische Union war 50 Jahre lang nicht frei von Hindernissen. Hoffentlich brauchen wir nicht 50 Jahre, um die Region zu integrieren", fügte der peruanische Präsident hinzu.

Dass seine Zustimmungswerte in der Bevölkerung sehr niedrig seien, bestritt Toledo vehement. Er habe einen "hohen Preis für eine verantwortungsvolle Handhabung der Wirtschaft" bezahlt. Jetzt hinterlasse er eine "sehr solide" Wirtschaft, die im Durchschnitt um 5,5 Prozent wachse, wobei es heuer sogar sieben Prozent werden könnten. Die Inflation etwa liege bei 1,5 Prozent, die Beschäftigung steige, es finde eine Reduktion der Armut statt - "nicht in dem Ausmaß, wie ich wollte", räumte Toledo ein. Er habe sich von einer Popularitätsrate von 15 auf 54 Prozent gesteigert, betonte das scheidende Staatsoberhaupt.

Zu seinen Zukunftsplänen sagte der Ökonom, er werde die Region nicht verlassen. "Ich werde nicht mehr Präsident Perus sein, aber ich werde auf den Straßen Lateinamerikas unterwegs sein, für die Integration, meinen Kampf gegen die Armut und die Demokratie." (APA)