Wien - Montag, Schlag 14 Uhr, wird in der Gewerkschaftsbank Bawag P.S.K. wieder einmal ein kleines Kapitel Geschichte geschrieben. Erstmals seit Aufsichtsratsgedenken pilgert das gesamte ÖGB-Präsidium in die Wiener Seitzergasse, um auf den dort tagenden Bank-Aufsichtsrat zu stoßen.

Wichtigstes Thema der gemischten Sitzung, auf deren Abhaltung auch Aufsichtsratspräsident Siegfried Sellitsch bestanden hat: der US-Vergleich. Mit ihm möchte der Bawag-Vorstand unter Ewald Nowotny versuchen das US-Prozessrisiko rund um die Causa Refco zu minimieren. Immer neue Klagsdrohungen hatten zuletzt Vermutungen geschürt, dass die Bawag auch mehr Geld in die Hand nehmen würde als die bisher kolportierten 675 Mio. Dollar.

Vergleichswert ausgefeilt

Jedenfalls war der Vergleichsentwurf am Wochenende ausgefeilt - am Montag sollte der ÖGB als Bawag-Eigentümer über die Details informiert werden. Der weitere Plan: Sobald der ÖGB grünes Licht gibt, reist Bankchef Nowotny nach London, um den mit den US-Anwälten und Behörden ausgetüftelten Vergleich zu unterschreiben.

Zudem wollen die Aufsichtsräte den ÖGB-Funktionären aber auch erklären, dass sich der ÖGB seine Haftung nicht aussuchen könne, wurde dem STANDARD berichtet. Der Hintergrund dafür: Am Samstag hatte ÖGB-Chef Hundstorfer im Kurier gemeint, der ÖGB werde "sicher nicht für die Verluste der Bank in den USA haften". Diese Distanz schaffende Sichtweise teilen aber nicht alle. Der ÖGB war schließlich ab 2002 über seine Desana Privatstiftung mit 27 Prozent an Refco beteiligt - und hat dafür auch zweimal Dividenden von Refco kassiert. Dem Vernehmen nach waren es jeweils 34 Prozent. Wie viel Geld genau geflossen ist - und vor allem wohin -, "das recherchiert man im ÖGB gerade", heißt es. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.5.2006)