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Foto: apa/dpa/Norbert Försterling
Linz - Zwischen automatisierter Blutzuckermessung, Inselzell-Transplantation und inhalierbarem Insulin "pendelten" in den vergangenen Tagen in Linz die Vorträge anlässlich der 22. Frühjahrstagung der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (11. bis 13. Mai). Womöglich könnte das Leben der Zuckerkranken - vor allem der insulinabhängigen Zuckerkranken - in Zukunft wirklich leichter werden.

Lücke schließen

Blutzucker messen gehört zum Leben vieler Diabetiker wie die täglichen Broteinheiten. Zwischen den Messzeitpunkten liegen allerdings Stunden, in denen der Blutzuckerspiegel stark schwanken kann. Geschlossen wird diese Lücke mit unter der Haut eingesetzten Glucosesensoren, die im Minutentakt messen.

Intelligente Sensoren

Derzeit stehen mit "Guardian" und "Glucoday" zwei Systeme zur Verfügung, die "vor allem in Kombination mit einer Insulinpumpe eingesetzt werden oder in besonderen Situationen, wie beim Sport", erklärte Monika Lechleitner, Präsidentin der ÖDG und Leiterin der Internen Abteilung am LKH Hochzirl. Zukunftsvision ist eine automatisierte, glukosegesteuerte Insulinpumpe, die die Arbeit der Bauchspeicheldrüse übernimmt.

Insulinunabhängigkeit durch Transplantation

Ähnliche Ziele verfolgt Roger Lehmann, der am Universitätsspital Zürich unter anderem Pankreas- und Inselzelltransplantationen ausführt: "Der Spenderorganmangel hat bei uns zu einem Paradigmenwechsel geführt. Das Ziel einer Inselzelltransplantation ist nicht mehr allein die Insulinunabhängigkeit, sondern eine nahezu normale Blutzuckereinstellung, auch wenn noch wenig Insulin gespritzt werden muss."

Erreichbar sei die Insulinunabhängigkeit für die meisten Patienten allerdings eher mit einer Pankreastransplantation. Aber: "Bis zu einem Drittel dieser Patienten müssen wegen Komplikationen reoperiert werden, während die Inselzelltransplantation praktisch komplikationsfrei ist", so der Chirurg.

Stammzelltherapie als großes Forschungsfeld

Einige Jahre vom klinischen Alltag entfernt ist die Stammzelltherapie: "Leider reicht das Verständnis über Wachstum und Differenzierung von insulinproduzierenden Zellen noch nicht aus, um Stammzelltherapien rasch klinisch anwendbar zu machen", sagte Paul Hengster, Leiter des Inselzelllabors an der Universitätsklinik Innsbruck.

Große Hoffnung stecken die Forscher allerdings in die Immunmodulation und die gentechnische Herstellung "unsterblicher" Zelllinien als Ersatz für insulinproduzierende Zellen. "Dies werden möglicherweise die ersten Therapien sein, die ohne zusätzliche Medikamente Erfolg versprechen", so Hengster.

Inhalatives Insulin vergleichbar mit injiziertem

Erfolg verspricht schon jetzt das erste inhalative Insulin Exubera, das eine "wirkungsvolle Option in der Behandlung von Typ 1- und Typ 2 Diabetes darstellt", sagte Friedrich Hoppichler, Vorstand der Abteilung für Innere Medizin am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Salzburg. "Im Vergleich zu injiziertem Insulin konnten durch die Inhalation eine vergleichbare Glucosekontrolle und HbA1c-Senkung erreicht werden - ohne erhöhte Hypoglykämierate."

Drei von vier auf einen Streich

Erfreuliches gibt es auch Patienten mit Metabolischem Syndrom zu berichten - jenen Menschen, die an der Kombination von Übergewicht, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen und hohem Blutdruck leiden. "In einer Untersuchung an 670 österreichischen Patienten senkte der Wirkstoff Telmisartan (Micardis (R)) und die Kombination Telmisartan/Hydrochlorothiazid (Micardis Plus (R)) nicht nur den Blutdruck, sondern auch Triglyceride, HDL-Cholesterin, Blutzucker und HbA1c", so Bernhard Ludvik von der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel am AKH Wien.

Telemonitoring: Unabhängig sein von Raum und Zeit

Zu mehr Unabhängigkeit verhelfen kann Diabetikern möglicherweise bald jedes Mobiltelefon mit Hilfe des Diabetestagebuchs DIAB-Memory von Seibersdorf research. "Patienten können ihr Handy nutzen, um Diabetesdaten einfach und sicher zu erfassen. Der Arzt kann diese Daten in aufbereiteter Form heranziehen, um die Diabetesbehandlung zu optimieren", erklärte Peter Kastner von dem Forschungszentrum. (APA)