Wien - Das Management des geplanten österreichischen Energieriesen OMV Verbund will weder Wasserkraftwerke verkaufen noch Anteile an der heute zu 80 Prozent kontrollierten Wasserkraftwerkstochter Austrian Hydro Power (AHP) abgeben. "Wir sind doch keine Idioten und verkaufen Wasserkraftwerke. Es ist erlaubt, Wünsche an das Christkind zu haben, aber nicht alle Wünsche werden auch erfüllt", sagte Verbund-Chef Hans Haider am Montagabend zu diesbezüglichen Überlegungen aus den Bundesländern.

OMV Verbund lehnten es auch ab, dass neue Mehrheitsverhältnisse von OMV-Tochtergesellschaften über "Gesetzesänderungen verordnet werden", sagte der Verbundmanager, der ein 1982 gefälltes deutsches Grundsatzurteil zu Aktiengesellschaften zitierte ("Holzmüller"). Auf Basis dieser Gerichtsentscheidung, so interpretiert es Haider, kann OMV Verbund die wesentliche Beteiligung AHP nur mit Zustimmung einer Dreiviertelmehrheit in einer OMV Verbund-Hauptversammlung verkaufen. "Wir können und wollen die Wasserkraftwerke auch gar nicht verkaufen, darüber will ich gar keinen Zweifel aufkommen lassen."

Verbund-Aktionäre wie andere

EVN und Wienstrom seien Verbund-Aktionäre wie alle anderen. Man benötige deren Zustimmung zur Fusion, die 2007 geplant sei und werde sie daher bis dahin zu überzeugen versuchen. Werde die Fusion torpediert, komme auch keine Österreichische Stromlösung (ÖSL) zustande, sagte Haider. Im vergangenen März, bei den Endverhandlungen zur ÖSL, hätten sich EVN und Wienstrom schriftlich dazu bekannt, dass "Strukturveränderungen in der Energiewirtschaft möglich sein müssen" und dass sie ihre Vertreter im Verbund-Aufsichtsrat gegebenenfalls entsprechend instruieren würden. Werde gegen die Verschmelzung abgestimmt, sei das ein Verstoß gegen diese Vereinbarung, lautet die Argumentation.

Haider erläuterte im Zigarrenklub in Wien erneut die Vorteile, die die beiden Unternehmen zum Zusammengehen bewogen haben. So plane man mittelfristig beispielsweise ein neues 800 MW-Kraftwerk in Südrumänien (Invest-Kosten etwa 400 Mio. Euro). Man könne den Bau aber erst beginnen, wenn Brüssel sein OK gegeben habe. Selbst im Fall einer vertieften Prüfung rechnet Haider mit einer Entscheidung bis Jahresende.

Kaum Überschneidungen

Obwohl er betonte, dass es kaum Überschneidungen von OMV und Verbund gebe, bezeichnete Haider es am Montag als "schwierig", die EU-Wettbewerbshüter von der neuen Konstruktion zu überzeugen, "vor allem im Hinblick auf laufende andere Projekte".

Die gewählte Konstruktion für die Einbringung des Verbund als Sacheinlage könnte dazu führen, dass die Republik ihre jungen OMV-Aktien weitergibt und mittelfristig über eine Investmentbank verkauft. Da keine "Rückverstaatlichung" angestrebt sei, solle der Anteil des Konsortiums ÖIAG/IPIC 45 bis 49 Prozent nicht übersteigen, sagte Haider.

Würde die Einbringung zur Gänze in neuen, selbst gehaltenen OMV-Aktien abgegolten, würde die Republik (zusammen mit Abu Dhabi) dagegen über 62 Prozent verfügen. Daher müssten die 16 überschüssigen Prozentpunkte aufgeteilt werden - die eine Hälfte auf eine Wandelanleihe, die andere Hälfte auf junge Aktien. Letztere sollten mit einem "unwiderruflichen Verkaufsauftrag" an eine unabhängige Finanzinstitution weitergegeben werden. Diese könne nach etwa einem Jahr zu verkaufen beginnen und die Anteilsscheine in den folgenden zwei bis drei Jahren kursverträglich in den Markt "hineinspielen", so Haider.

Nach heutigen Kursen würde nach Ansicht von Beobachtern dieser - nicht im Syndikat gebundene - OMV-Anteil deutlich mehr als 2 Mrd. Euro ausmachen. Die zweite Hälfte des Kaufpreises wäre vorerst in einer (wohl längerfristigeren) Wandelanleihe gebunden. (APA)