Klagenfurt/Wien - Die Affäre rund um die dreistelligen Millionen-Euro- Spekulationsverluste der Hypo Alpe-Adria-Bank (HAAB) haben am Dienstag ein politisches Hick-Hack ausgelöst. SPÖ-Budgetsprecher Christoph Matznetter forderte Aufklärung über die im Vorjahr begebene Wandelanleihe der Hypo und verlangte die "Gleichbehandlung" von Hypo- und BAWAG-Skandal.

Der Betriebsrat der Hypo übte in einem Offenen Brief scharfe Kritik an der SPÖ und stellte sich demonstrativ hinter das Management des Instituts. Unterstützung gab es dabei von Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider (BZÖ).

Matznetter fordert "Konsequenzen"

Management und Aufsichtsrat der Bawag hätten bereits Konsequenzen gezogen, dasselbe sollte auch bei der Hypo der Fall sein, forderte Matznetter am Dienstag in Wien vor Journalisten. Alle Bankenskandale müssten lückenlos aufgeklärt werden, damit es zu keiner dauerhaften Schädigung des Finanzplatzes Österreich kommt. Bei der Bawag sei sofort gehandelt worden. Bei der Hypo Alpe-Adria-Bank hingegen sei alles anders. Bei diesem "größten Bilanzfälschungsskandal" in Österreich seien bisher keine Konsequenzen gezogen worden, Finanzmarktaufsicht und Justiz seien in einen "Dornröschenschlaf" verfallen.

Der Betriebsrat der Hypo Alpe-Adria befürchtet in seinem an Bundes-SPÖ und an die Kärntner SPÖ gerichteten Offenen Brief "unwiderrufliche Schäden" für die Bank durch unsachliche Argumentationen durch "massive Angriffe". Man sei sich bewusst, dass die Vorkommnisse in der Bank "unerfreulich" seien. Zugleich, so der Betriebsrat weiter, sei man sich aber auch darüber im Klaren, dass die Hypo Alpe-Adria ein "begehrter Übernahmekandidat" - nicht nur für Wiener Großbanken - sein könnte". Die Betriebsräte legten aber "größten Wert auf Selbstständigkeit und Erhalt der Headquarter Funktion in Klagenfurt".

Haider kritisiert SPÖ

Haider stellte sich demonstrativ hinter den Betriebsrat und übte in einer Aussendung ebenfalls Kritik an der SPÖ. Diese wolle die Hypo "killen", um vom ÖGB-Bawag-Skandal abzulenken. Damit werde "enormer Schaden für Kärnten" angerichtet. Die Kärntner SPÖ-Chefin Gaby Schaunig solle daher ihren Wiener Parteikollegen "einmal ordentlich auf die Finger klopfen", so der BZÖ-Obmann.

Der Offene Brief veranlasste wiederum Matznetter dazu, dem Management der Hypo "Missbrauch" des Betriebsrats vorzuwerfen. Er finde es "schäbig", dass das Management die eigenen Betriebsräte "da rausschickt". Dies wurde vom Betriebsrat postwendend zurückgewiesen. Es habe keinerlei Beeinflussung durch das Management gegeben, die Stellungnahme sei als Aufruf der Mitarbeitervertretung zu sehen, die aktuelle Diskussion zu versachlichen.

Die Hypo Alpe-Adria-Gruppe hat am vergangenen Freitag die korrigierten Bilanzen für 2004 und 2005 vorgelegt. Das Zahlenwerk für 2004 weist durch die 288 Mio. Euro Verluste aus Swap-Geschäften einen Verlust von 99 Mio. Euro aus. In der Bilanz 2005 erzielte die HAAB 217 Mio. Euro Gewinn vor Steuern. (APA)