Die Bemühungen um die Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit bleiben in Rumänien auch 16 Jahre nach dem Sturz des alten Regimes weit gehend erfolglos. Ein Streit rund um die Behörde zur Aufarbeitung des kommunistischen Geheimdienst-Archivs hat inzwischen die Regierungskoalition entzweit.

Seit Dezember 1999 gilt in Rumänien ein Gesetz, das den Bürgern den Einblick in die eigenen Geheimdienstakten ermöglicht. Eine Behörde zur Aufarbeitung des Securitate-Archivs ist seit Anfang 2000 im Einsatz, um der Zivilgesellschaft alle Dokumente, die von der Securitate erstellt wurden, zugänglich zu machen.

Das 1999 erlassene Gesetz sieht auch vor, dass Personen in öffentlichen Ämtern auf ihre Zusammenarbeit mit der Securitate überprüft werden können. Die Überprüfungen wurden bisher allerdings vom Nachfolger der Securitate, der SRI, behindert. Denn die Securitate-Akten befinden sich in den Händen des SRI. Der Nachrichtendienst hat der Aufarbeitungsbehörde den Zugang zum Archiv immer wieder verwehrt. Erst seit dem Amtsantritt von Präsident Traian Basescu im Dezember 2005 öffnet der SRI seine Archive langsam.

Zudem ist rund um die Wahl des Präsidenten der Aufarbeitungsbehörde ein Streit innerhalb der Regierungskoalition aus Demokraten und Liberalen entbrannt: Im März 2006 wählte das Kollegium der Behörde den von der Demokratischen Partei (DP) nominierten Kandidaten Corneliu Turianu zum Präsidenten. Dabei hatte sich die Koalition auf Constantin Ticu Dumitrescu als Kandidaten geeinigt. Dumitrescu, der im kommunistischen Regime von der Securitate inhaftiert und gefoltert worden war, hat sich seit 1990 für die Entlarvung der Securitate eingesetzt. Turianu soll sich dagegen als Abgeordneter für die Verwässerung des Gesetzes zur Offenlegung der Geheimdienst-Archive stark gemacht haben.

Der rumänische Premier Calin Popescu-Tariceanu forderte seinen sofortigen Rücktritt, Präsident Traian Basescu hielt sich aber bedeckt, was ihm den Vorwurf eintrug, er wolle keine Enthüllung der Securitate-Verbrechen. Erst nach Tagen griff Basescu ein und erreichte, dass mit Claudiu Seca¸siu ein allseits akzeptierter Präsident eingesetzt wurde.

Auch in den Medien häuft sich die Kritik an dem Umgang mit den Securitate-Archiven: So soll der ehemalige Präsident der Aufarbeitungsbehörde, Gheorge Oni¸soru, Dossiers prominenter Politiker reingewaschen haben. Das meistdiskutierte Beispiel ist das des Ultranationalisten Corneliu Vadim Tudor, dem im Oktober 2004 ein sauberes Zeugnis ausgestellt wurde, obwohl SRI-Dokumente das Gegenteil belegten.