Jetzt waren sie also da. Und nun sind sie wieder weg. Ob unsere Kinder das Datum dieses Wiener Kongresses werden lernen müssen darf bezweifelt werden. Denn dem ersten Wiener Kongress, der ähnlich viele Staatsoberhäupter in Wien versammelt hatte, war die Neuordnung der Verhältnisse in Europa gelungen. Ergebnisse des jetzigen EU-Lateinamerika-Treffens sind aber eher rar.

Seltsam bleibt, was in Medienberichten eine wesentliche Rolle spielte: dass etwa Hugo Chavez ein Abendessen, das Ratsvorsitzender Schüssel gegeben hat, schwänzte und lieber zu einer Veranstaltung ging, wo um die politische Zukunft des südamerikanischen Kontinents diskutiert wurde. G’hört sich das?! Oder dass Evo Morales, der neu gewählte Präsident Boliviens gar mit offenem Hemd zu einem Gipfeltreffen erschienen ist. Also da gehört schon was dazu. Kein Benehmen. Und dann verstaatlicht dieser erste Indio auf einem südamerikanischen Präsidentenstuhl auch noch die Gasreserven und deren Produktion und Verkauf. Wie sollen sich denn da die ausländischen Konzerne auf die Sicherheit ihrer Investitionen verlassen?! Da musste schon Außenministerin Plassnik ernste Sorgen der EU anmerken.

Freilich konnte man auch anderes hören: Dass gerade Evo Morales ein außerordentlich sympathischer und schüchterner Mann ist, der aber in der Realisierung seiner Wahlversprechen außergewöhnlich geradlinig und klar ist. Und das ist offenbar das Schlimme an ihm: er stellt das Recht der reichen oder reicheren Länder und ihrer Unternehmen infrage, die Bodenschätze seines Landes auszubeuten und will stattdessen lieber die Armut der Bevölkerung Boliviens bekämpfen, indem er die Gasreserven verstaatlicht und das Gas zugunsten der versprochenen Programme einsetzt, um diese Armut zu lindern. Nicht einmal in Österreich überlassen wir die Förderung und den Verkauf des österreichischen Erdgases ausländischen Konzernen, aber Bolivien soll?

Dieses Gipfeltreffen hat aber vielleicht bei manchen das Bewusstsein für diesen großen, hierzulande weitgehend unbekannten Kontinent etwas gehoben. Bloß eine Enttäuschung bleibt – zumindest für jene, die da Hoffnung in eine linke Wende in Südamerika gesetzt haben: der Weg zu einer gemeinsamen Politik im Interesse der überwiegend armen Völker auf diesem Kontinent, der so lange von Diktatoren, meist mit Unterstützung der USA, regiert worden ist, ist lang und steinig. Das Europa der EU könnte durchaus einen Beitrag zum Erfolg dieses eigenständigen Weges im Interesse der Menschen leisten, wenn es nicht bloß auf die Interessen der europäischen Großunternehmen setzt. Aber dazu ist wohl auch noch eine grundlegende Änderung in der Politik in Europa nötig.