Innsbruck - Kritik an der "sinnentstellenden" Veränderung ihres Stücks "Schund. Eine Farce" durch die Regie des Tiroler Landestheaters hat die Autorin Erika Wimmer am Donnerstag geübt. "Bei der ersten Hauptprobe musste ich feststellen, dass das Stück höchstens zu einem Drittel dem entspricht, was ich geschrieben habe", sagte die Autorin. Die Premiere des Stücks wird am Sonntag stattfinden.

Figuren und Themen

Man habe in das von ihr geschriebene Stück in hohem Maße eingegriffen, sagte Wimmer. Das quantitative Ausmaß sei dabei "sehr hoch und in der Folge sinnentstellend". So sei zum Beispiel eine neue Figur ohne Absprache eingefügt worden. Homosexualität sei zum "Schund-Thema" gemacht worden, was überhaupt nicht in der Vorlage vorkomme, sagte Wimmer. Teilweise seien ganze Abschnitte weggekürzt worden. "In Summe habe ich das Stück nicht wirklich wiedererkannt, weil das Konkrete und politische Aussagen zu Gunsten von Klamauk zurückgedrängt wurden und man zu sehr ins Klischeehafte gegangen ist", kritisierte Wimmer.

Die Theaterleitung wisse, dass sie "verstört" aus der Probe gekommen sei. Bei Intendantin Brigitte Fassbaender sei sie gestern auf offene und freundliche Ohren gestoßen, sagte Wimmer. Die Autorin betonte, dass sie Respekt vor dem Theater und der Regisseurin des Stücks, Barbara Neureiter, habe. Wimmer will aber klarstellen, dass das am Sonntag erstmals aufgeführte Stück nur mehr zu höchstens einem Drittel der von ihr verfassten Vorlage entspreche. Dies könnten die Medien in ihren Kritiken dann einbauen.

Grundidee und Änderungen

Der Schauspieldirektor des Tiroler Landestheaters, Klaus Rohrmoser, erklärte in einer Aussendung, dass das Theater den Standpunkt von Wimmer in dieser schwierigen Situation verstehe. Die "spannende Grundidee des Stückes" und der ausdrückliche Wunsch, mit der Autorin zusammen zu arbeiten, haben das Landestheater veranlasst, einen Stückauftrag an sie zu vergeben. Neue, noch unerprobte Bühnentexte würden sich in der Vorbereitungszeit und während des Probenprozesses oft aber nicht als zur Gänze bühnentauglich erweisen. Nicht alles Geschriebene entspreche den speziellen dramaturgischen Erfordernissen und müsse daher gekürzt, umgestellt und manchmal eben auch inhaltlich schärfer konturiert werden, sagte Rohrmoser.

Die geborene Boznerin Erika Wimmer lebt heute in Innsbruck. Sie schreibt Hörspiele, Kurzgeschichten, Erzählungen und Romane. "Schund" ist ihr zweites Theaterstück. (APA)