Wien - Die Türkin Özge Tomruk wehrt sich gegen "subtile Diskriminierung". Damit meint die Theaterwissenschafterin, die am afro-asiatischen Institut (AAI) in Wien ihre Doktorarbeit schreibt, gut gemeinte und als Kompliment verpackte Phrasen wie "Du sprichst aber gut Deutsch" und "Schaust ja gar nicht wie eine Türkin aus".

Anlässlich des "Festes der Versöhnung", das am heutigen Freitag begangen wird, haben Mitarbeiter des Instituts in einer Diskussionsrunde mit dem Titel "Keine Mauer ist zu hoch, kein Meer zu tief" zusammengesetzt. Sie passe nicht in das Bild, das man von einer Türkin hat, wenn sie etwa ein Weinglas in der Hand hält, erzählt Tomruk. Genauso spürt sie die Erleichterung ihres Gegenübers, wenn sie auf die Frage, ob sie denn wieder zurück nach Istanbul gehe, mit Ja antwortet.

Despérance-François Bulayumi, ein aus dem Kongo stammender Philosoph sieht Integration nicht als Einbahnstraße, sondern als Chance einer "ehrlich geführten Diskussion innerhalb der Gesellschaft".

"Okay, ich ,störe' sichtbar, ich bin schwarz und habe deswegen keine Chance weiterzukommen. Aber man darf sich nicht scheuen, diese Problematiken zur Sprache zu bringen", sagt Bulayumi. Er zweifelt, ob die Form der Diskussion um Integration angesichts der Kommunikationstechnologie noch zeitgemäß sei, denn "wie kann sich ein Migrant integrieren, wenn er täglich per Satellit Programme aus der Heimat empfängt und geistig in der Heimat lebt?"

Bulayumi ist auch Autor des Buches "Dealer wider Willen?" und meint zynisch, Afrikaner hätten sich ob des Kischees, Dealer zu sein, bereits bestens in Österreich integriert.

Die erste Reaktion im Institut zur Prokop-Studie sei gewesen: "Nicht seriös", sagt Referatsleiterin Maria-Beate Eder. "Wie kann man etwas aus einer unfertigen Studie präsentieren, haben wir uns gefragt, aber wir kennen ja die Fragestellung nicht." (mil/ DER STANDARD, Printausgabe, 18.5.2006)