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Meeres-Leguane auf Galapagos

Foto: REUTERS/Daniel Flynn
London/Wien - Ein zumindest unter Landwirbeltieren einzigartiges Phänomen hat Martin Wikelski von der Princeton University an Meeres-Leguanen auf den zu Ecuador gehörenden Galapagos-Inseln entdeckt. Die Tiere können im Verlaufe ihres Lebens je nach Nahrungsangebot wachsen oder schrumpfen, berichtet die Wissenschaftszeitschrift "New Scientist" in der jüngsten Ausgabe.

Der Forscher berichtete, dass er seine Entdeckung zu Beginn für einen Irrtum hielt. Allerdings betrug die beobachtete Schrumpfung der Tiere bis zu 20 Prozent oder volle sechs Zentimeter in der Länge, was für einen Messfehler dann doch zu viel war. Weitere Forschungen bestätigten, dass die nur auf den Galapagos-Inseln vorkommenden Leguane tatsächlich auch im erwachsenen Alter ihre Größe variieren können.

Auslöser

Wikelski hat auch die Ursache bzw. den Auslöser für das seltsame Phänomen gefunden. Einerseits haben große Tiere bei Produktion einer möglichst zahlreichen Nachkommenschaft einen Vorteil. Große Männchen werden bei der Paarung von den Weibchen kleineren vorgezogen. Große Weibchen wiederum können mehr Eier legen. Andererseits passiert auf den Galapagos-Inseln regelmäßig eine Verknappung des Leguan-Futters und dann haben große Tiere mehr Probleme.

Meeres-Leguane ernähren sich von Meeresalgen und diese werden in so genannten El Nino-Jahren knapp. Durch die veränderten Meeresströmungen nimmt der Nährstoffgehalt ab und die Temperatur nimmt drastisch zu. Tatsächlich beobachteten die Wissenschafter während El Nino-Jahren, dass das Schrumpf-Mysterium unter den Leguanen besonders ausgeprägt war.

Weitere Erforschung

Wie die Leguane es anstellen zu schrumpfen, ist bisher nicht völlig geklärt. Fest steht aber, dass es zu einem Knochenabbau mit anschließendem Wiederaufbau kommen muss. Etwa eine Verringerung der knorpeligen Zwischenwirbelmasse reicht für die beobachteten Verkürzungen der Tiere nicht aus, außerdem würde dies die Beweglichkeit zu sehr einschränken.

Mittlerweile interessieren sich auch Mediziner für das Phänomen. So haben Weltraum-Wissenschafter immer wieder mit Knochenabbau von Astronauten zu kämpfen. Auch Osteoporose-Forscher wurden aufmerksam, als sie hörten, dass die Leguane ihr Knochenvolumen fast nach Belieben verändern können. (APA)