An Altpapier wird es nach der WM in Deutschland nicht mangeln. Unzählige Organisationen bringen derzeit ihre WM-Planer unters Volk. Ein besonders perfider stammt von der NPD. Auf dem Titelblatt ist der Oberkörper eines Spielers in weißem Trikot zu sehen. "Weiß, nicht nur eine Trikotfarbe! Für eine echte Nationalmannschaft!", prangt ein Schriftzug.

Auf dem Trikot hat der Spieler die Nummer 25 stehen - eine klare Anspielung auf den in Hamburg geborenen Patrick Owomoyela. Der Abwehrspieler von Werder Bremen (Mutter Deutsche, Vater Nigerianer) hat in der Nationalmannschaft die Nummer 25. Insgesamt hat die NPD 100.000 dieser WM-Planer drucken lassen. 30.000 davon ist sie auf einen Schlag losgeworden. Sie wurden beschlagnahmt, nachdem der Deutsche Fußball Bund (DFB) und Owomoyela eine einstweilige Verfügung erwirkten. Auch die Richter sahen eine Diffamierung in "geradezu unerträglich rassistischer Art und Weise". Jetzt gibt es einen neuen Folder, der die Horrorvision der Rechtsextremen mittels Playmobil-ähnlichen Männchen zeigt: Nationalmannschaft 2010 - und nur noch ein Spieler ist weiß. "Sollte der zweite WM-Planer auch eingezogen werden, dann können wir uns vorstellen, eine härtere Gangart an den Tag zu legen", droht NPD-Mann Klaus Beier.

Soll heißen: "Mahnwachen" vor den Stadien. "Wir wollen nationale Nationalmannschaften haben und raumorientiert Fußball spielen", sagt Beier, der auch die Berufung des Schalke-Stürmers Gerald Asamoah ins WM-Team missbilligt: "Ein reiner Pass-Deutscher, er hat keinen deutschen Elternteil."

Wie keine andere Partei versucht sich die NPD bei der WM zu profilieren und ihren Einfluss auf rechte Fans zu verstärken. Zwar sind die Zeiten vorbei, als Profis mit dunkler Hautfarbe auch bei Spielen der Ersten Bundesliga mit Affenlauten und Bananenschalen "begrüßt" wurden. Doch in der deutschen Regionalliga grassiert Rassismus nach wie vor: Da entrollen Cottbusser Fans beim Spiel gegen Dynamo Dresden ein großes Transparent mit der Aufschrift "Juden". Da wird der Nigerianer Adebowale Ogungbure von Sachsen Leipzig in einer Partie beim Halle'schen FC angepöbelt und beleidigt. "Viele junge Menschen fühlen sich von denen angesprochen, die in der Fankurve die meiste Action bieten. Und das sind oft die Rechten", sagt Michael Gabriel, von der Koordinationsstelle Fan-Projekte, die sich für friedlichen Fußball einsetzt.

Weniger friedlich könnte es bald, nämlich am 21. Juni in Leipzig, werden, wenn beim WM-Spiel der Iran auf Angola trifft. Die NPD will den Iran herzlich begrüßen und ein "bewusstes Zeichen der Solidarität" setzen. Manche Ausländer mag die NPD nämlich - vor allem wenn deren Präsident den Holocaust leugnet und Israel das Existenzrecht abspricht. (bau - DER STANDARD PRINTAUSGABE 20.5. 2006)