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Gerry Keszler (Mitte) begrüßte persönlich die ersten Life-Ball-Gäste

Foto: Reuters
Um Mitternacht wird der Rathausplatz wieder zur Ruhe gekommen sein. Techniker werden die Bühne bevölkern - und das Volk wird sich zerstreut haben: Die einen - die, die Glück (oder ihre Beziehungen) ins Innere der Absperrung führte - werden im Rathaus tanzen. Die anderen - jene angeblich 30.000, die den Begriff "Zaungast" anschaulich gemacht haben werden - werden zu Hause sein. Aber es wird großartig gewesen sein. Schließlich ist in der Nacht auf Sonntag Life Ball.

Und daran, dass Gery Keszlers Charity-Fete zugunsten von HIV-Initiativen einst lediglich im Inneren des Wiener Rathauses statt fand, können sich mittlerweile schon manche Ballbesucher nicht erinnern: Es ist 14 Jahre her, dass Keszler - damals Visagist - angetrieben von der Betroffenheit über den Aids-Tod eines Freundes Helmut Zilk anschrieb. Und mit dem ersten Life Ball den Grundstein für jenes Fest legte, das mittlerweile - fast, scheint es, mühelos - Stars nach Wien lockt, die sich nicht einmal für Lugners Geld mehr am Opernball einfinden wollen: Neben Sharon Stone trumpft Keszler heuer mit Catherine Deneuve, Naomi Campbell und der Sängerin Anastacia auf. So, als wäre die Modeschau, die Renzo Rosso mit seinem Kultlabel "Diesel" da auf den Rathausplatz zaubern will, nicht Grund genug, den Ball zum Volksfest zu machen.

Nackte und Narren Dass das nicht erst mit dem Defilee um (offiziell) 21 Uhr los geht, ist ja bereits Tradition. Denn um 19 Uhr beginnt der Einzug der Kostümierten, der Nackten und der Narren auf den Rathausplatz. Aber schon am Nachmittag sind die Gastro-Stände geöffnet: Modeschauen sind Theater - und brauchen Proben.

Dass es heuer aber schon davor deftiges Getöse gab, ist neu: Donnerstagabend legte Sharon Stone einen nachgerade "klassische" Diven-Vorfahrt vor dem Sacher hin. Und Freitagnachmittag landete das Gros der übrigen Stars in einer Sondermaschine aus New York in Wien.

Sonntagmorgen wird alles vorüber sein. Es wird - schon allein ob des Tamtams - großartig gewesen sein. Und sogar wenn nicht: Mit dem Erlös des Abends - vermutlich auch heuer wieder über eine Million Euro - ließe sich dieses Vokabel allemal noch rechtfertigen. (Thomas Rottenberg, DER STANDARD-Printausgabe, 20./21.05.2006)